Sonntag – ein Blick in das bunte Treiben

Wie jede Frau liebe ich es, den Menschen zu zusehen, z.B. Sonntagmorgens in meiner Gemeinde bevor der Gottesdienst beginnt. Da gibt es die, die immer in Eile sind von einem Punkt zum anderen laufen – verschwinden und fast im selben Moment wieder auftauchen – die, die einfach schnurstracks auf „ihren“ Platz zugehen, ihn reservieren und dann alle Leute um sich herum begrüßen – das ist als ob sie ihre eigene Insel inmitten der Gottesdienstgemeinschaft hätten, denn um sie herum gehen andere Menschen ihre Wege … setzen sich in die Reihe dahinter oder quetschen sich am Gruppenevent Begrüßung vorbei. Da gibt es die Alten, die mit ihren Rollatoren auf ihre Stammplätze rollen sich setzen und wirken als würden sie nie wieder aufstehen. (Was sie auch immer vermeiden – selbst im Lobpreis sitzen sie und genießen) die jungen Leute, denen alles peinlich ist, die in die letzte Reihe rutschen nur mit den Gleichaltrigen reden um erwachsen zu wirken, bzw. um nichts falsch zu machen – und die jungen bis mittelalten, die sich auch trauen auf ältere Menschen zu zugehen, sie zu begrüßen und sogar mehr als einen Satz zu sprechen. Oder die, die segnend grüßen Schritt für Schritt das Allerheiligste betreten, die gerade aus dem Gottesdienstgebet kommen und schon diese Aura haben. Familien, die im wilden Durcheinander aneinandergereihte Stühle suchen, um zusammenzusitzen wenigstens bis zum Kindergottesdienst. Menschen, die wie ich sich umsehen und genießen was passiert – sich langsam in das Treiben einfügen und irgendwie wie ein Puzzlestück den Platz zu finden, der das Bild vollkommen macht. Die, die mehr oder weniger selbstverständlich einfach da sind, die, die reservierte Plätze einnehmen und die, die offensichtlich zum ersten Mal in dieses Treiben eintauchen – vorsichtig und neugierig, angespannt, ängstlich – so 5 Minuten bevor es losgeht stehen die zusammen, die irgendwie im Gottesdienstablauf inkludiert sind – sie sprechen sich ab, bilden eine Blase in die niemand wagt hinzu zutreten, weil jeder weiß, dass selbst ein Guten Morgengruß dieses Gespräch störend unterbricht – das geht so lange gut, bis der „Ich begrüße alle-Mensch“ kommt, ohne zu zögern drängt er sich in die Organisationsblase, reicht jeden die Hand – ist freundlich und zugewandt – stellt Fragen und sprengt die Blase – ich muss immer lächeln, denn jedes Mal nimmt die Gruppe die „Sprechnichtmituns-Haltung“ an, aber jedes Mal ist es vergebens – irgendwo ist immer ein Schlupfloch in das der der „Ich begrüße alle-Mensch“ schlüpft die Millisekunde der Gedanken, die gerade geformt werden.

Das Miteinander vor dem Gottesdienst ist wirklich HERRlich.

Nach dem Gottesdienst fällt alles auseinander – die einen stehen langsam auf und bewegen sich im Schneckentempo in Richtung Café, andere stürzen sich auf Menschen, um sie mit ihren Anliegen zu bedrängen – manche gehen vorsichtig auf die mit dem Gebetsbutton ausgestatteten, heilig drein guckenden, zur Verfügung stehenden Personen zu, um das ein oder andere mal los zu werden. Die Reihen lüften sich, man steht in Gruppen, am Ausgang, formiert sich um die Stehtische, nachdem die Kaffeetheke mit dem kostenlosen Kaffee schier ausgeraubt wurde. Das kostenlose Kaffeegebäck verschwindet in den plappernden Mündern – alleine wie der ein oder andere das macht ist köstlich – ich liebe die Kinder, die ungeniert von einem Tisch zum anderen hüpfen und ihre Münder mit den Lieblingsplätzchen füllen so lange bis der Mund einen Schokoladenrand hat und die Mutter sie ermahnt. Bis dahin ist es ein echtes Abenteuer – wer isst die meisten Kekse ohne dass es einem schlecht wird oder das man erwischt wird. Die lange Schlange im Café lichtet sich nach einer Weile alle haben irgendwelche Flaschen mit Säften, Chipsdosen oder Snacks in der Hand. Und die Kaffeebar, die den besten Latte Macchiato, Milchkaffee, Espresso sogar mit Sojamilch zaubert wirkt wie ein Bienenstock, Menschen schwirren dorthin, verweilen kurz um sich dann wieder dem Bad in der Menge zu widmen – natürlich mit einer Schaumumrandung um den Mund – oder mit einem sehr zufriedenen Lächeln sitzen sie an den Tischen – bis sie zum Mittagessen aufbrechen (müssen).

Draußen auf dem Parkplatz ist es nicht anders. Menschen warten auf Menschen – oder suchen sie, gehen in Gruppen oder alleine zielstrebig auf ein Auto zu oder verlassen eilig das Gelände durch das Tor, um den nahenden Bus zu bekommen.

Zu Hause kehrt sie ein – die Stille, die sonntägliche Ruhe, die Langeweile…. die Gedanken schweifen zu denen die die Zeit zwischen den Gottesdiensten auf der Couch im VIP-Bereich verbringen lachend, spielend, hausaufgabenmachend, wartend bis der nächste Gottesdienst beginnt …. nur die Probe der Lobpreiser, das eintönige Hämmern des Drummers, das schrille Geräusch der E-Gitarre, das“Eins Zwei“, der gesungene Ton unterbricht das bunte Treiben und fängt alle ein, sagt ihnen wortlos worum es eigentlich geht …..

Anmerkung: Dieser Blick ist mein ganz persönlicher Blick – ich bin sicher, dass viele Menschen es anders oder garnicht sehen ….. und ich nächsten Sonntag es vielleicht auch wieder ganz anders erlebe …. das Leben lebt und schön, wenn das Gemeindeleben es auch tut

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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