Vergebung – denn sonst vergiftest Du Dich selbst

Wie oft werden Bibelzitate ausgesprochen, wenn es um den Punkt Vergebung geht. z.B. Kolosser, 3, 13 Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst. “Vergesst nicht, dass der Herr Euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst.“steht meistens im Vordergrund dieses Zitates, wie oft habe ich diesen Druck verspürt – sind “MUSS“ und Vergebung doch die viel zitierten Gegensätze, die sich anziehen.
Wie viel mir vergeben wurde – und was ich zu vergeben hatte in einer Waagschale führte immer dazu dass eine Seite schwerer als die andere war,nämlich die in der die Wut und der Hass an den Situationen klebte – heute nach dieser schweren Zeit des Kampfes kann ich das ganz neutral sehen – als ich jedoch noch mitten im Kampf stand, war ich verletzt, wütend und zerrissen. ich wollte demjenigen, der mir diese Schmach zugeführt hatte nicht vergeben, weil ich dachte ich würde so demjenigen das Recht geben mich weiter zu verletzen – Vergeben und Vergessen – nein ich wollte, dass diese Menschen Bestrafung und Einsicht erhielten und hatte Angst davor ihnen zu vergeben. Als ich mich jahrelang von Hilflosigkeit, Zorn und Wut zerfressen ließ – keimte ein anderer Same in mir auf, der mit der Zeit immer stärker wurde – ich merkte was diese Unvergebenheit mit MIR machte – sie band mich fest an ein (oder mehrere) Ereignis(se), das mich quälte, das mich daran hinderte das gute Leben zu leben. so wie in 1.Petrus 3,9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, dass ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen erbet. 10 Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht trügen. 11Er wende sich vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.…beschrieben, merkte ich in mir drin diesen Stein, der immer härter zu werden schien und der mich wie Gallen- oder Nierensteine quälte. Wie das schmerzen konnte, hatte ich bereits life erlebt – bis mir die Galle entfernt wurde und trotzdem musste ich erst viel später erkennen was Unvergebung in mir selbst bewirkt. So beschloss ich eines Tages, mir selber gut zu tun und entschied, dass es so nicht mehr weiter gehen konnte. Ja die furchtbaren Ereignisse waren geschehen und ja sie wurden nicht gesühnt – aber mich daran festzuhalten, hatte mir mehr geschadet als geholfen und so beschloss ich etwas dagegen zu tun.
Zuerst musste ich einen Weg finden, um den Groll und die Wut aus mir raus zu bekommen. die Gedanken alleine, dass ich vergeben wollte tat mir (fast körperlich) weh. Das bewies mir, dass es Zeit war neue Schritte zu gehen. In meiner Teeniezeit hatte ich Gedichte geschrieben, für Freundinnen zu Ereignissen und immer wenn’s mal dran war – ich erinnerte mich daran, wie gut mir das getan hatte. So begann ich zu schreiben. Zuerst schreib ich Briefe an die Menschen, die mich so tief verletzt hatten, dass ich mit Vergebung Probleme hatte – in diesen Briefen schrieb ich, was ich in diesen, Momenten der Schmach gefühlt habe und wie sehr mich ihre Taten beeinflussen, im Laufe dieser Briefe merkte ich wie es mir leichter wurde und sie endeten alle damit, dass ich Vergebung aussprechen konnte. Diese Briefe habe ich lange aufbewahrt und immer und immer wieder gelesen, manche Briefe habe ich nach einiger zeit überarbeitet und abgeschickt. Manche habe ich weg gegeben – ich wollte keine Anschuldigung mehr bei mir behalten, der Akt des Verschickens bzw. weggeben (nicht an die Personen, sondern an jemand vertrauten)  hat mich leichter gemacht – es fühlte sich an als ob die Last der Taten leichter wurde. Nein, es wurde nicht von jetzt auf gleich leichter – es musste Stück für Stück erarbeitet werden, ich setzte mich mit dem was geschehen war auseinander – befreite mich von den selbstzerfleischenden Selbstvorwürfen und versuchte herauszufinden “warum“ – nicht “warum ich“, sondern warum hat diese Person in jener Situation so gehandelt. Letztendlich kam ich zu dem Schluss, das jede dieser Person nach Liebe und Anerkennung suchte, leider mit den falschen “Waffen“, leider hatten sie nicht die Hoffnung, die in mir lebt – sie wissen nicht wo der Quell der Liebe ist und jetzt wo der Groll und die Wut mich nicht mehr blendeten, war ich frei neutral auf diese Menschen zu blicken.
Ja, es gibt heute noch Schlüsselmomente, die meine Albträume auslösen, die versuchen mich in das alte Verhaltensmuster zu drängen – jedoch weiß ich heute, wie gut es mir mit der Vergebung geht und daher beginne ich den Tag nach einer solchen Albtraumnacht mit Gebet für diese Menschen, die mich verletzt haben – nicht mit heuchlerischem Gebet, sondern mit Gebet, dass sie den richtigen Weg finden, dass sie die Liebe erkennen, die ich erkennen durfte, dass sie Hoffnung finden. Und wenn ich nicht beten kann – dann bete ich, dass ich beten kann, dass jedes Wort meines Herzens über diese Personen mit der Liebe erfüllt ist, die ich aus mir nicht geben kann.
Die Taten heiße ich bis heute nicht gut, aber ich kette mich nicht mehr daran – ich lasse diese Momente meines Lebens nicht meine Zukunft bestimmen – ich will mehr vom Leben als Leiden – ich weiß, dass es eines Tages so ist, dass ich keinen Schmerz mehr habe und daran kette ich mich – ich binde mich an die Freiheit, die ich durch Vergebung erlangen darf.
Sigmund Freud sagt einmal: „Wenn man jemandem alles verziehen hat, ist man mit ihm fertig.“ Und so ist es wirklich – nachdem ich in Gedichten meine Gefühle verarbeitet hatte und mich entschieden hatte, zu vergeben gibt es Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre in denen ich nicht mehr böse bin oder an schreckliche Ereignisse mit Furcht denke bzw. mich durch Angst zerreiben lasse. Ich bin fertig damit.
Vergebung ist in erster Linie heilend für den, der vergibt. Denn du befreist dich von etwas, das dich sonst bei lebendigem Leib auffressen wird, das deine Freude zerstört und dich daran hindert, wirklich bedingungslos zu lieben.(Buchzitat William Paul Young in Die Hütte)
Das Buch habe ich nicht gelesen, das Zitat habe ich von „Herrn Google“ und es gefällt mir, weil es wahr ist – allerdings muss jeder diese Wahrheit und Freiheit für sich erkämpfen – der Weg ist kein leichter und niemand kann ihn für jemand anders gehen, auf dieser Strecke ist man allein – aber wenn man gute Freunde hat, ist man nicht einsam. Gute Freunde erinnern an das Ende des Tunnels – gute Freunde warten, wenn man eine Pause machen muss, gute Freunde trösten, wenn man “Blasen an den Füßen“ hat, vielleicht haben sie ein Blasenpflaster das den Schmerz lindert.
Zur Vergebung muss man sich alleine entscheiden, es braucht Unterstützung und Förderung um den schweren erlösenden Weg zu gehen!!!!
Wichtig ist zu wissen, dass in Unvergebung leben ist wie, wenn man Gift trinkt und hofft, dass die anderen davon sterben. Man spricht niemanden frei, außer sich selbst …..
Danke an alle Förderer und Freunde, an alle die beiläufig was bemerkten, an alle die bewusst zitierten und an alle, die einfach “nur“ zuhören.

Als letztes möchte ich Euch, die Ihr Freunde oder Seelsorger seid, ermahnen:
Vergebung ist nicht erzwingbar – genauso wenig wie man einen Alkoholiker zum Entzug zwingen kann – Vergebung ist eine Entscheidung der Freiheit, die jeder nur für sich selber treffen kann.
Ihr könnt nur empfehlen – hinleiten und begleiten und in der Stille hoffen und beten.
So unbedingt Vergebung ist, so unbedingt ist die Freiwilligkeit für jeden – erst Recht wenn er/sie weiß wie viel ihr/ihm vergeben wurde.

PS die Gedichte hatte ich schon mal veröffentlicht und vielleicht werde ich eine Unterseite in diesem Blog erstellen – ich hoffe, dass sie helfen und durch den Schmerz leiten können.

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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