Gott und der Zahnarzt, der kein „Gott in weiß“ war

Angefangen hat es eines Sonntagmorgens: Im Gottesdienst stand einer vorne, der ein Wort für „jemanden“ hatte. Er hatte ein Bild von einen Arztstuhl – so was wie ein OP-Stuhl und meinte, dass Gott bei der Person ist die auf den Stuhl muss.

Zackboingpuff (so wie im Cartoon) traf es mich …. ein paar Tage zuvor, war mir eine Plombe im Zahn zerbrochen – es gab einen tiefen Krater und wenn ich etwas aß, rutschte da grundsätzlich was rein – ich wusste, dass ich jetzt zum Zahnarzt muss. Denn das ewige Ausspülen und Putzen ist auch nicht DIE Lösung auch so’n Mund will mal Ruhe haben.

Nein, ich leide nicht unter der „normalen“ Zahnarztphobie – ich habe keine Angst vor’m Zahnarzt – ich habe Angst vor’m Kollabieren, was mir regelmäßig bei allen Ärzten passiert. DAS IST NICHT LUSTIG!!!! (ich kann’s genau sehen, das Lachen in des Lesers Gesicht) Einmal, nachdem ich ein paar Stunden beim Zahnarzt verbracht hatte und mir einen neuen Termin holen wollte, wachte ich auf als ich den Arzt in den Bauch trat – ein Reflex, weil mir jemand an den Beinen rummachte – als ich klarer wurde, merkte ich, dass ich auf dem Flurboden lag, mehrere Arzthelferinnen um mich rum standen und der Arzt versuchte durch Massage meiner Beine mehr Blut ins Gehirn zu bringen UND ICH HABE IHN GETRETEN !!!!! Obwohl er diese Reaktion verstanden hatte, bin ich natürlich da nie wieder hin gegangen, den Termin habe ich auch nicht abgesagt, das war mehr als peinlich. Das war vor mehr als 25 Jahren. Später bin ich immer mal wieder sporadisch zu einem hingegangen, aber dieses Ambiente beim Zahnarzt und die Doktoren, die schon alles wissen, bevor man es ausspricht und die einzige Antwort Mund auf und dann die Zahlen runter rasseln 4b gefüllt 8a ….. und ich mit meinem Kreislauf kämpfend “Stellen Sie sich nicht so an!“ NEIN DANKE !!!! Seitenweise könnte ich hier schreiben was mich an den Göttern in Weiß stört und wie einer nach dem anderen vom Podest fiel ….. Mundsperre für 4 Wochen, Spritzen, die nicht wirkten und trotzdem an den Zähnen gewerkelt wurde …. ach ja, wir kennen sie alle diese Stories. Den Druck der KK und der zweijährlichen Untersuchung war mir egal und ob das alles so rechtmäßig ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

So stand ich also mit meinem Loch im Zahn in besagtem Gottesdienst “JA Herr“, hörte ich mich denken – „ich hab’s verstanden!“ Aber Gott ist langmütig und so war ich es auch – mittlerweile, hatte ich was von Laserbohrern gelesen – ja das will ich und einen der mir zuhört. An dem folgenden Wochenende gingen die Schmerzen los – die Wange wurde dick – muss ich jetzt zum Notarzt? Das Bad wurde zu meinem Wochenendquartier: meine elektrische Zahnbürste, und das Gerät für die Zahnzwischenraumreinigung meine stetigen Freunde im Kampf gegen die Schwellung und den Schmerz – gespült mit Listerine grün (ist es zu stark – bist Du zu schwach) gedopt mit Aktren, irgendwann realisierend jetzt ist es sauber und nu auf die Couch … Die Gedanken kreisen dann nur noch um eine Sache “Du musst es jetzt tun!“ Na dann habe ich mal rumgegoogelt was bietet meine Stadt denn so auf dem Gebiet der Zahnmedizin und gebetet habe ich auch, ich kam auf eine ziemlich coole Seite im Netz – das las sich gut – okay wenn es jetzt schlimmer wird …. es wurde nicht schlimmer – es wurde Montag … da es ja nicht so schlimm war, bin ich ab ins Büro – die Telefonnummer und Kontaktdaten hatte ich schon an meine Adresse gemailt, um mich daran zu erinnern DU MUSST!!!! Interessant ist, wenn das Thema Zahnarzt kommt, hört man selten, dass jemand gerne geht, weil es Spaß macht. Also irgendwann so gegen 9 habe ich die Nummer gewählt “Wenn besetzt ist, ist das ein Zeichen!“ Natürlich war nicht besetzt – eine freundliche Stimme meldetet sich und gab mir einen Termin für in zwei Wochen Dienstag so um 09:30 h. SCHONFRIST !!!! okay der Termin war gemacht, der Schmerz gewichen und ich konnte mich den Dingen des Alltags zuwenden. Zwei Wochen vergingen, wie im Flug, es nahte der Tag der Wahrheit. Mittlerweile hatte ich realisiert, dass ich genau dort einen Termin hatte, wo ich eigentlich beschlossen hatte nie hinzugehen, eine Praxis nahe meines Lebensmittelmarktes irgendwann hatte ich beschlossen Nein, die sind doof – wie sehr ich mich täuschte, merkte ich, als ich den Flur betrat. Es roch zwar nach Zahnarzt, aber es war nicht dieser beißende Geruch, der die Nerven in meinem Körper ansprach – es roch nur so ein bisschen – als ich dann die Türe zum Empfang sah, auf dem ein LASERSCHILD (nein nicht wie bei Star Wars, es war ein gelbes Schild mit schwarzer Schrift “Laser“) und sie öffnete, war der Geruch weg und ich stand in einem Wohnzimmer???? So kam es mir vor – warme satte Farben an den Wänden – Gemälde – offene Türen – nette angenehme Stimmen. Die Rezeptionistin eröffnete mir, dass ich mindestens ne Stunde warten müsste, weil Schmerzpatienten im Wartezimmer saßen “Darf ich auch rausgehen? und wann soll ich wieder rein kommen?“ “So um 10, aber Sie können auch heute Nachmittag um 15:30 h kommen, da wurde mir ein Termin abgesagt, dann sind Sie auch direkt dran!“ so erledigten wir den Papierkram und ich hatte NOCH eine Schonfrist – da ich jetzt wusste, was mich dort erwartet (LASER!!!) war ich irgendwie beruhigt – bis 15:00 Uhr, da ging mit der …. auf Grundeis, aber ich musste ja hin … pünktlich um 15:22h öffnete man mir die Türe und begrüßte mich mit “Hallo Frau Schmidt!“ “Oh je jetzt kennt man mich schon“ entgegnete ich – aber sie versicherte mir, dass das nur daran lag, weil ich den Termin ja verschoben hatte und niemand anders da war. “Nehmen Sie noch einen Moment dort Platz!“ Im Wohnzimmer?, dachte ich, morgens hatte ich garnicht gesehen, dass dort eine Ledercouch und sehr bequeme Sessel standen – es gab einen Fernseher mit DVD und Videogerät – ein angenehmes ruhiges Bild an der Wand und nur eines der typischen Plakate – “Die Spritze nach der Spritze“ Behandlung ohne Schmerz JA – lange unnötiges Taubheitsgefühl NEIN. Ein Wasserspender stand noch da, das einzige was mich an ein Wartezimmer erinnerte waren die Zeitungen auf dem Wohnzimmertisch, die aber nicht so aussahen als wären sie von so’ner Arztbörse – sondern, wie gerade von der Oma gelesen und dort abgelegt. Ich saß genauso, dass ich die Rezeptionistin im Blick hatte und sah sie etwas essen. “Hm lecker“, sagte sie. Das ist Baklava!!! kam es in mir hoch, ich glaub’s nicht. Sie philosophierte darüber, dass ihre Kollegin ihr die Dinger mitgebracht hatte und die so voller Honig wären und ihre Seele das jetzt brauchte. “Ja, machen Sie mir nur die Nase lang – meine Seele schreit auch gerade!“ lachte ich ihr zu. Dann holte sie die Post und zerriss einen Umschlag nach dem anderen – ohne den Inhalt zu prüfen – so geht man also mit Rechnungen um, entfuhr es mir. Es entwickelte sich ein Gespräch über Werbungssendungen, über den Nachbarn, der im Urlaub die Post annimmt und über dies und das (im Hintergrund hörte ich wie der Arzt eine Patienten beriet – über diverse Möglichkeiten seiner speziellen Herausforderung – die Stimme war warm und weich und sehr sympathisch) … bis es klingelte und ein steifer Mann die Türe rein kam – der hatte die Angst nicht nur im Nacken, die saß im Rücken in den Armen und Beinen. Rezeptionistin an Mann: “Setzen Sie sich mal neben die Frau Schmidt, die hat auch Angst! Sie sind auch viel zu früh hier“ Wortlos setzte er sich fast auf meinen Schoß, ich wunderte mich, dass er überhaupt sitzen konnte, so steif wie er aussah, dachte ich er bekommt die Beugung nicht hin. Als ich fragte ob ich ihm jetzt Händchen halten sollte – lachte sie nur. Ich habe doch keine Angst, dachte ich – aber wenn es ihm half. Mein Angebot ihn vorher dran zu lassen, entgegnete er mit einem gepressten “Das hilft mir auch nicht!“ und so nahm ich die mir entgegengestreckte Hand der Arzthelferin an, sie sollte mich ins Wartezimmer führen – die andere bot mir an, meine Tasche in Empfang zu nehmen und sie sicher zu positionieren. Es war der Himmel, dachte ich. Das Behandlungszimmer war auch in warmen Gelbtönen an der Wand ein komisch anmutendes Dschungelbild in 70ger-Jahrefarben – ich musste lächeln. Der obligatorische Glasschrank mit den berühmten Zahnbürsten – Spülungstestflaschen und sonstigem Zahnpflege -Werbeprodukte, wirkte irgendwie deplatziert – als wolle er an die Ernsthaftigkeit der Berufssparte erinnern. An den Fenstern Schiebegardinen mit einer einzigen, stillen Blüte rosaweiß auf zartbeige. “Kann ich Ihnen was zu lesen bringen?“ “Ich bin doch nicht beim Frisör!“ “Aber manchmal hilft es!“ (Ich habe keine Angst Leute!!!) Die junge Arzthelferin bereite schon mal eine Spritze vor, obwohl ich ihr gesagt hatte ich hätte mich noch nicht entschieden. Und dann kam er um die Ecke – stellte sich vor gab mir die Hand und grinste – schöne Augen hat er – einen sehr gepflegten Bart und ein hellblaues T-Shirt, dass seine Augen untermalte – irgendeinen Akzent sprach er auch, welche ließ sich nicht definieren, denn folgte still meinen Ausführungen. über meine Zahndiagnosen – lächelte – lachte über meine Schlussfolgerungen und war einfach nur sympathisch. Als er mit einem Wattedingens den Schmerztest machte, bestätigte er mir meine sorgsame Pflege (nach dem bestimmten Wochenende war das unübersehbar) und sagte leider muss ich ein Röntgenbild machen lassen. Die beiden Arzthelferin nahmen mich (gefühlt wieder in die Arme) mit in einen anderen Raum und röntgen was geröntgt werden musste. Das tat schon weh !!!! Aber da alles mit so viel Freundlichkeit und Lachen passierte, war der Schmerz Nebensache. Zurück im Behandlungszimmer wollte ich immer noch nichts zum Lesen – ich hatte ja auch den kleine Bibelvers einer Freundin in der Hand Lobe den Herrn meine Seele, der Deinen Mund wieder fröhlich macht, und Du wieder jung wirst wie ein Adler Psalm 103,5 ein Trost, den ich mir immer wieder zu Gemüte führte. Außerdem gab es ja immer noch diesen Eindruck aus dem Gottesdienst und ich fühlte mich echt in den besten Händen. Als der Arzt sich das Bildchen ansah, meinte ich, dass ich auch ein paar Urlaubfotos sehen wollte – so erklärte er mir genau warum es schwierig würde, wenn es zu einer Wurzelbehandlung käme – die eine Wurzel schlang sich um die Wurzel des anderen Zahn und die halbwegs geradlinige war irgendwie schlangenlinienförmig – hm iss also nix mit guter Wurzelbehandlung – nun ich wollte ja auch keine – medizinisches Inlay mit provisorischer Füllung reicht mir bestätigte ihm Wir gehen davon aus dass es keine Schmerzen mehr gibt. und dann legte er los, es gab die vorbereitete Spritze, die legte aber nur meine Wange lahm – also gab es nochmal Nachschub, aber da die Wange schon betäubt war spürte ich davon nix, weil mein Kreislauf drohte zu versagen, durfte ich bei WEIT offenem Fenster auf die Wirkung warten – als dann die Zunge und die halbe Lippe betäubt war, gab er sich zufrieden – innerhalb einer höchstens zwei Minuten war er fertig mit Bohren, Inlay und Füllung – vom Bohren habe ich garnichts gemerkt, nicht mal im Kopf ein Vibrieren – und der Rest war irgendwie fertig ohne, dass ich drüber nachdenken konnte.

So fertig – sagte er – ich wie fertig? Ja, fertig bestätigte er nochmal. Okay, dann fertig … er rief seiner Freundin, der Rezeptionistin (nein sie ist nicht wirklich seine Freundin, aber es klang so) zu, welche Art Termin ich brauche und verabschiedete sich mit “Danke, dass Sie da waren.“ Das Essen sollte ich noch vermeiden – nicht wegen der Füllung sondern der betäubten Zunge – nun Essen am Abend ist doch völlig überwertet, sagte ich – worauf er entgegnete, dass er am liebsten abends ist. Glückselig wandelte ich zur Rezeptionistin und verabschiedete mich bis zur nächsten Woche – der gleiche Wochentag, fast die gleiche Uhrzeit. Da begann die Betäubung schon nach zu lassen – die Wange entspannte sich, beim Lachen. Ja, lachend verließ ich die Zahnarztpraxis. Das ist mir noch nie passiert und ich freue mich irgendwie auf das nächste Mal …. (Ach ja, der “steife Mann“ wurde zwischendurch behandelt, es wurde nichts bei ihm gemacht, es war alles in Ordnung. Glückspilz!!)

Okay – ich bin recht früh im Bett gewesen – aber ich habe auch himmlisch geschlafen – ist schon schön mal so ohne Schmerz durchschlafen zu können …..

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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