Vierbettzimmer mit Mann … Leb!Los!

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Langsam öffne ich die Augen, bin müde und nicht erholt – heute soll der erste Tag der Freizeit sein – ich habe einen ereignisreichen Anreisetag hinter mir – nach einem Frühstück bei meiner Mitfahrin, sind wir los – Willingen Upland – ich habe sie an ihrem Konferenzzentrum zur Mitarbeiterbesprechung und Vorbereitung abgesetzt und bin ins Hotel – wollte einchecken – sie hatte ich schnell eingecheckt und Ihre Koffer ins Zimmer gebracht, aber mein Zimmer war noch nicht frei, da die Zeit zu schnell verrann und ich zu meiner Teamsitzung musste – ging ich ohne einzuchecken zu dieser Sitzung und zu meinen ersten beiden Einsätzen. Man hatte mich währenddessen gebeten meine Dienstkleidung zu tauschen – als Tauschobjekt zu meiner Jacke, die ein wenig lang war, bekam ich eine mit kaputtem Reißverschluss, aber ich muss sie ja nicht zu machen, hatte genügend andere warme Sachen dabei. Kurz vor 22 Uhr schaffte ich es noch ins Hotel – sie gaben mir die Zugangskarte mit den Worten rechts rum vierter Stock.
Angekommen im Zimmer, bepackt mit zwei Koffern, sehe ich, dass es ein doppelstöckiger Wohnbereich ist, am Eingang links ein kleiner Schrank rechts das Badezimmer – die beiden Betten im unteren Bereich bereits belegt – so schlepp ich meine schweren Koffer die schmale Holztreppe hoch – auch hier zwei Betten – ein Sessel – ein Bett und der Sessel belegt, übrig ein Bett und daneben ein schmaler ca. 30 cm breiter Gang , der Zugang dazu war mit zwei Paar Sneakers belegt, die augenscheinlich lüften sollten. Ok, über den Platzmangel kann ich mich morgen austauschen – jetzt will ich eigentlich nur schlafen – sende eine letzte SMS an meinen Sohn mit dem Text “Erinner mich dran, dass ich sowas nie wieder mache – Vierbettzimmer!“ Das mich an eine andere Freizeit vor Jahren, bei der ich das schon einmal beschlossen hatte – man hatte mich in ein Dreibettzimmer mit zwei jungen Mädchen einquartiert – die Mädchen waren sehr nett – ihr Lebensrhythmus war nur anders.
Als ich die Utensilien in diesen Räumen sah Sneaker – Sporttasche …. – war mir klar, dass es sich hier um mindestens eine Jugendliche handelt. ok es sind nur 5 Tage – die zwar sehr lang werden können – aber es geht vorbei, dachte ich und ging ins Bad, um mir ein Wasserglas zu holen und meine Markierung in Form einer Kulturtasche abzulegen – ich wollte den Dreien zeigen, dass es noch jemanden gibt – auch hier war alles belegt – kleine Ablagefläche – in der Duschtasse eine knielange Männerbadeshorts – ich wundere mich – mein zweiter Blick zum Glas schweift über einen Rasierer- ich dachte: Rasiersystem Super Lift&Cut, Dual Precision-Scherköpfe, – Konturenanpassung: Flex & Float-System, – Styling: Integrierter, ausklappbarer Trimmer – muss ein Phillips sein … füllte ein scheinbar sauberes Glas mit Wasser und nahm einen großen Schluck, anschließend stieg ich, die Kulturtasche im Arm, eine weitere SMS textend die Holztreppe rauf “ich glaub hier sind auch Männer!“ Mein Sohn (25) antwortete “Echt???? Meinen die das Ernst? Frag doch noch mal an der Rezeption!“ Na wenn er das auch komisch findet, gehe ich noch mal runter – nippe noch mal kurz am Glas und steige in den Fahrstuhl. “Was können wir noch für Sie tun?“ klang die Stimme freundlich, aber sehr reserviert – es war schließlich kurz vor Feierabend “Ähem“ sichtlich peinlich berührt und mit glänzend feuchten Augen, (Ich war so erschöpft und wollte eigentlich nur ins Bett) sage ich zittrig: “Dass ich nicht alleine in einem Zimmer bin, ist mir klar, aber mit einem Mann das Zimmer teilen … da ist ein Rasierer im Badezimmer und ne männliche Badehose liegt in der Dusche…“ Sie lächeln freundlich, werden nervös, besprechen sich – checken die Eintragungen für das Zimmer und diskutieren, ob und wenn ja, welches Zimmer noch sauber sein könnte….. “Nein das muss ein Missverständnis sein – ist auch komisch, wir haben hier nur Mutter und Kind eingecheckt.“
“Aber es sind drei Betten belegt! Und im Bad … Sie können gern mit hochkommen …!!!“ sage ich nochmal nachdrücklich. Die Feuchtigkeit will meine Augen verlassen … ich schlucke tapfer – ich will nicht rumheulen – ich will nur schlafen … “Nein, wir glauben Ihnen schon (Na klar, es war kurz vor Feierabend) Moment, wir sehen mal, wo wir sie unterbringen können!“ Ich gehe zurück in das Vierbettzimmer, noch einmal die schmale Holztreppe hoch , schnappe meine halbausgepackten Habseligkeiten – dabei hatte ich vorher alles so klug gepackt und nun musste ich, wie ein fahrender Händler, der alles an seinem Wagen zur Präsentation ausgehangen hatte, die Zimmer wechseln, durch‘s halbe Hotel rollen  – ich wollte so nicht aussehen – jedoch konnte ich es nicht ändern, jetzt nicht mehr – komme so zurück zur Rezeption – peinlich berührt, als mich ein anderer Freizeitmitarbeiter so sieht – er wollte mir behilflich sein (kein Wunder ein 1,50m großer fahrender Händler – mit soviel Krams an den Koffern baumelnd)  – ich stolperte, lehnte das Angebot ab – wollte nur noch in ein Zimmer mit einem eigenen Bett …. erwischt – dann stirbt mein Ego eben – alles ist besser, als morgens früh aufwachen und in die Augen eines wildfremden Mannes zu sehen …. Die Rezeptionistinnen versprachen mir ein schönes anderes Zimmer und gaben mir die Karte mit den Worten: “links – eine Etage höher“ ….

Zweibettzimmer – ich alleine – es roch ein wenig schimmelig, wie es manchmal in Hotelzimmern riecht – es war mir egal – ich wollte nicht nochmal meckern – der Geruch wird schon vergehen – ich verteilte alle meine Sachen überall hin – ich nahm den Raum ein. Als meine Beifahrerin mir eine SMS schickte und mich auf einen Gang in die Bar einlud, nahm ich dankend an – ich wollte auf andere Gedanken kommen, an der Rezeption fragte ich nochmal, ob noch jemand dazu kommen würde “Nein!“ hörte ich erleichtert – falls doch, sagte ich, soll die neue Person, mich einfach ein wenig zur Seite schieben – also meine Sachen … dann gingen wir in die Bar “LuMumba“ ich brauchte was starkes – es schmeckte nicht, aber ich wollte nicht mehr meckern – dazu war ich zu müde und konnte schon fast wieder bei der Vorstellung lachen, morgens neben einem wildfremden Mann aufzuwachen – insbesondere, als meine Begleiterin mich scherzhaft darauf aufmerksam machte – welche Chance mir da als Single evtl. entgangen war – ich war echt müde. „Der Herr gibt’s den Seinen im Schlaf!“ Psalm 127,1
Dankbar schloss ich die Augen 1.Thessalonicher 5, 18 – wie wundersam die Wege des Herrn manchmal sind – diese Nacht war kurz und unruhig – irgendwie erwartete ich, dass doch noch jemand auftaucht – ein DZ nur für mich, das konnte ich so noch nicht annehmen. Das schlechte Gewissen begleitete mich durch die ganze Freizeit ein DZ nur für mich ganz alleine das erste Mal als Mitarbeiterin auf dieser Freizeit und dann dieser Luxus – welch ein Glück – nicht nur für mich, denn ich bin erkältet und huste die halbe Nacht, das wäre noch peinlicher als der “fahrende Händler“ geworden. Natürlich gab ich diese witzige Geschichte in Gesprächen zum Besten und sie schien der Running Gag zu werden, das wurde mir spätestens klar, als die Frau meines Teampartners grinsend sagte “Ach Du bist die!“ und in ein schallendes Lachen fiel, ohne dass ich die ganze Geschichte erzählt hatte.

Wir malten uns aus, wie es geendet hätte, wäre ich direkt müde ins Bett gefallen – ohne den Gedanken in Bad zu gehen …. herrliche Geschichten … die ich dem Leser vorenthalten muss – diese Situationskomik kann man einfach nicht aufschreiben … Gerne hätte ich die andere Seite gehört- die nach Hause kommt und wie im Zwergenhaus bei Schneewittchen, ein benutztes Glas und weg geräumte Schuhe vorfand …..
(aus Wikipedia: Es kommt zu einem Häuschen, in dem ein Tisch für sieben Personen gedeckt ist, und nimmt sich von jedem Platz ein wenig zu essen und zu trinken. Dann probiert es die Betten aus, bis es ein passendes gefunden hat, und schläft ein. Als es dunkel ist, kommen die Hausbewohner, sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz gegraben haben, heim. Sie bemerken erstaunt, dass jemand ihre Sachen angerührt hat. Im Bett des siebten Zwerges finden sie das schlafende Kind und sind hingerissen von dessen Schönheit.)

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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