Die Sache mit dem Heinzelmännchen, Engeln und dem “Guten Morgen“

Jeden Morgen stelle ich meinen Wagen im “Werk“ ab, um dann eine Strecke von ca. 1 km zu meinem Bürogebäude zu laufen. Auf diesem Weg begegnen mir Menschen – je nach Uhrzeit auch dieselben. Leider schauen die meisten (morgen)muffelig drein oder weg, so habe ich es mir zur Aufgabe gemacht Ihnen ein fröhliches “Guten Morgen!“ zu zurufen. (den meisten – es gibt welche, die lasse ich aus (beim nächsten Mal, denke ich dann) sollte ich eigentlich nicht). Da gibt es den fahradfahrenden Produktionsmitarbeiter (erkenne ich an der Arbeitskleidung) der zu Beginn sehr überrascht war, dass ich “Guten Morgen!“ sage. Das ist einer jener Menschen, die sich und ihre Arbeit sehr gering schätzen und Vorurteile gegen Büroleute (erkennt man an meiner Arbeitskleidung) haben. Solche Menschen sind mir schon oft mit der Frage begegnet, warum ich anders bin – nicht hochnäsig, sondern immer gleichbleibend freundlich. (Ich weiß, dass viele hier auf meiner Etage genau dieses Bild abgeben – aber ich weiß auch, dass sie unsicher sind und sich daher im Büroklischee verschanzen) Nun, meistens entgegne ich, dass ich bin wie ich bin und andere einfach selber gefragt werden sollen. Also dieser Produktionsmitarbeiter lächelt seit jeher und grüßt jetzt oft schon als erster. Ist ein tolles Gefühl morgens fröhlich begrüßt zu werden. Dann gibt es die Leute, die als Mitarbeiter von Fremdfirmen – meistens Handwerker – zu Hauf aus Autos krabbeln (oft denke ich da ist ein Nest), um die Ausweiskontrolle zu passieren und hinter der Kontrolle wieder in ihre Autos steigen. Meistens rauchen sie vor dem Passieren ihre Zigaretten noch zu Ende, oder sie warten auf den Rest des Konvoys der irgendwo noch auf der Autobahn feststeckt. Montags ist das meist der Fall, wenn sie zum ersten Mal in der Woche ihre Zugangsgenehmigungen holen, dann gibt es richtige Staus auf dem Halteplatz vor der Schranke. Handwerker sind schon eigene Menschen, die fröhlichen und unbekümmerten, die morgens früh schon lachen und scherzen, die introvertierten, die so garnichts aus sich rausbringen Montagmorgens um halb sieben. Alle hören von mir ein fröhliches “Guten Morgen!“.

Es gibt Frauen, die in Gedanken versunken an mir vorbeischleichen und Jugendliche, die Kopfhörer aufhaben – sie alle hören (mehr oder weniger alle) ein fröhliches “Guten Morgen!“ von mir. Die Frauen sind meist sehr geschockt, wenn ich grüße, den Jugendlichen ist es meist egal.

Dann gibt diesen EINEN Menschen, der jeden Morgen an mir vorbei schlich – der guckte meist weg oder so griesgrämig, dass ich mich in den ersten Tagen garnicht traute ihm ein fröhliches guten Morgen zu wünschen  – kennt ihr diese Menschen – die schauen so böse, dass man sich selbst in Frage stellt, obwohl sie wildfremd sind. Jedoch habe ich mich von oben genannten Produktionsmitarbeiter sozusagen “ermutigen“ lassen, seine Reaktion war schon sehr ermutigend und grüßte. Am ersten Tag kam garnichts – ich glaube es dauerte so eine Woche, bis er mal hinschaute – wenn ich Gedanken lesen könnte, wüsste ich sicher ob er dachte “Was will diese Frau von mir?“ Irgendwann kam er fast zur gleichen Zeit wie der andere und merkte, dass ich einfach nur freundlich grüße – nicht mehr und nicht weniger und dass ich es bei allen Menschen gleich tue, die mir auf dieser Strecke begegnen. Er nuschelte, später grüßte er zurück und heute stellt Euch vor kommt er mir , mit mehreren Brötchentüten bepackt, lächelnd entgegen und grüßt als erster – ich fasse es nicht!!! Da hat sich doch tatsächlich was verändert und wenn er lächelt ist er garnicht mehr so griesgrämig und beängstigend. Geht doch !!!! Manchmal ist Veränderung eben ein Prozess.

Im Bürogebäude werde ich von unseren Lobbyisten begrüßten (manche nennen sie auch Empfangspersonal) die sitzen abwechselnd zur Früh- oder Spätschicht da und sorgen dafür, dass Unbefugte keinen Zutritt bekommen oder Besucher ihren Ausweis. Es wechseln sich da zwei Frauen mit einem Mann ab – ich glaube der Mann trägt das gleiche gen in sich wie ich, der grüßt mich sogar mit Namen – obwohl ich nur eine kleine Nummer bin – mittlerweile wünschen wir uns einen schönen Tag und nette Menschen, beide lächeln wir, denn nette Mensch kann jeder gebrauchen, oder? Sobald ich dieses Ritual hinter mir habe stempel ich meine Kommtzeit und gehe zum Paternoster – ich liebe diesen Aufzug – wenn der morgens (noch)nicht geöffnet ist fehlt mir was. Es ist so ein erhebendes Gefühl im Treppenaufgang langsam in den vierten Stock zu schweben – so früh morgens ist da sonst niemand – ich blicke dann aus den Fenstern vorbei an den Firmenfahnen ins Werk und starte den Arbeitsmotor langsam. Es gibt auch Tage an denen ich so verträumt bin, dass ich einmal “rum“ fahre, weil ich den Ausstieg auf der vierten und letzten Etage verpasst habe, dann grinse ich meist über mich selbst oder lache leise (ich muss immer an die Mainzelmännchen denken, die dann auf dem Kopf stehen beim runterfahren). Heute Morgen stand auf der zweiten jemand – ich rückte ein Stück nach hinten, damit die Person zusteigen kann – aber es war das “Heinzelmännchen Olli“, der stand da, wollte nicht einsteigen – er kümmerte sich um die Ölspur an den Ketten, die manchmal Flecken auf dem Boden der Fahrkabinen hinterlässt, mit einem Lappen stand er da und wischte über die Kette. Fröhlich grüßend – als ich mich dafür bedankte, dass er immer so im Hintergrund seine Arbeit erledigt, lehnte er ab – aber ich bestätigte ihm noch einmal, wie cool ich das finde, dass es ihn gibt – er sit ein stiller HELD – darüber freute er sich. Olli hat den Spitznamen „Heinzelmännchen“, weil er immer unbemerkt von allen, zu Zeiten zu denen die meisten noch schlafen oder unter der Dusche stehen, Dinge erledigt – Abflüsse und Toiletten repariert – selbst wenn ich um 6 im Büro bin, hat er es schon alles erledigt – ein echter HELD, oder? Auch die Putzfrauen im Haus sind für mich was ganz besonderes – sie arbeiten bei einer Fremdfirma, die den Reinigungsauftrag übernommen hat – sie müssen Zeiten und Konditionen einhalten, die von den Vertragspartnern ausgehandelt wurden und dafür sorgen, dass wir als Kunden auch zufrieden sind – sie leeren die Papierkörbe, wischen Staub und kommen mit dem Sauger – wenn wir es ihnen erlauben. Der macht so einen krach, dass in der Zeit nicht telefoniert oder gearbeitet werden kann. Diese Frauen sind echte Engel sie machen die Drecksarbeit für einen Hunger(mindest)lohn und sind ganz still dabei. Ich sage ihnen, dass ich es gut finde, dass es sie gibt – Engel brauchen Ermutigung – sonst kommen sie irgendwann nicht mehr und das wäre doof. Oder die Facilitiymanager ganz tolle Menschen, hängen Bilder auf, reparieren Büromöbel, ich sage Ihnen Danke und wie wichtig sie für mich sind und ab und an gibt’s auch mal ne „Merci“-Tafel.

Also wenn Ihr etwas verändern wollt – dann fangt im Kleinen an – sagt danke – auch wenn jemand für die Arbeit bezahlt wird – grüßt freundlich und wenn die Zeit es erlaubt führt ein wenig Smalltalk – das schadet niemandem, aber es verbessert den Alltag.

Mache das Beste ais Deinem Tag – ich wünsche Euch fröhlich „Guten Morgen – auf dass Euch freundliche Menschen begegnen!“

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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