Du kannst es ….

Segen

Segen sein, was bedeutet das? Wir als Gemeindemitglieder singen oder sangen oft „Ich will ein Segen sein“ – wie oft singen wir diese Lobpreis(Anbetungs)lieder, ohne deren Texte wirklich zu verinnerlichen – ich selber bin da mittendrin – oft summe ich nur, weil ich die Worte nicht mit mir untermalen kann und als Künstlerin, ist es mir schon wichtig etwas zu untermalen, so wie es mir als Christin wichtig ist wahrhaftig – also ehrlich zu sein und wenn ich meinen Gott anbete, ist der es doch der mich als erstes durchschaut. Nun kommt der Pastor wieder und sagt Lobpreis kann auch ein Opfer sein – ja wenn ich Lieder singe, die ihn erheben, dann stimme ich da gerne zu, aber wenn ich etwas über mich singe, dann will ich auch dahinterstehen können – nun ist die Formulierung “WILL“ schon noch ein kleines Türchen  “will und ich kann nicht!“ zum Beispiel – wobei ich dem letzten Post von djr http://diegeschichtezaehlt.com/2015/08/01/keine-zeit-keine-zeit/ unterstreichen muss – die Erklärung “ich will“ ist eine, die keine Ausreden duldtet. Nun, ich möchte es aber nicht allzu schwer machen, dann das was ich hier schreibe, soll ermutigen mutiger zu werden. Gestern war ich mit einer lieben Freundin in Köln und wir haben das Wetter genossen, die Stimmung und die Internationalität – wir haben es uns gut gehen lassen, Sind mit dem Boot übern’n Rhein geschippert- haben den Dom betrachtet und über Zukunftsängste gesprochen – irgendwann haben wir Mittag gegessen – wir waren auch schon einige Zeit unterwegs – haben viele nette Gespräche miteinander, aber auch mit anderen geführt – wir haben ein christliches Anspiel gesehen und im Gedränge die Leute nicht über den Haufen gelaufen, wir waren echte Gutmenschen und das Leben war gut zu uns. Wir nahmen uns also die Zeit im Nudelhaus zu speisen und bekamen sogar noch einen Tisch draußen – an einer italienisch wirkenden Straße mit Hupen und Abgasen – also voll der Urlaub – hinter uns strömten die Touristen die Straße entlang, vor uns die Autos und neben uns an den Tischen Männer, die italienisch sprachen, eine Asiatin, die ganz vorne an der Straße ihre Spaghetti aß auf echt asiatische Art – ich muss immer über diese Art  zu essen staunen, das ist wirklich sehr natürlich –  die Freundinnen, die miteinander zu (Nach)mittag aßen und über das Leben philosophierten, das junge Paar, das gerade die Zukunftsplanung gestaltete und die Familie direkt neben uns, mit ihrem neuen jungen und wirklich niedlichen Pudel, der nur rumgeknuddelt wurde, aber auf den Tisch durfte er dann doch nicht. Es war wirklich ein echt italienisches Ambiente mitten in Köln. Als diese Familie bezahlt hatte und  gegangen war, räumte der italienische Ober den Tisch ab und säuberte ihn für die nächsten Gäste – meine Nudeln mit vier verschiedenem Käse + Parmesankrümel vom Löffel waren längst verspeist und ich hatte mir schon einen “Latte“ bestellt – meine Freundin kämpfte regelrecht mit dem Rest ihrer Spaghetti, so dass sogar der Ober Mitleid mit ihr hatte. Plötzlich stehe eine Frau neben uns – sie hatte ihr Leben gelebt, das sah man nicht nur an dem fehlenden Zahn – sie fragte ziemlich bestimmt: “Ich bin als Künstlerin unterwegs, essen Sie das noch, oder kann ich das haben?“ ein wenig verängstigt schaute meine Freundin mich an – mit ihren 16 Jahren war sie völlig überfordert – ich nickte ihr zu und gab ihr lautlos  nur mit den Lippen zu verstehen “Geb  ihr den Teller“ – aber sie musste ihn garnicht geben, flugs ergriff die Künstlerin den Teller, die Gabel und der Löffel waren so grad vom Schwung noch mitgerissen worden. Große Augen folgten dem Geschehen – insbesondere als die Dame sich neben uns Platz machte ihre wenigen Habseligkeiten auf den Stühlen verteilte und wie selbstverständlich Platz nahm. Natürlich hatten die meisten Gäste das mitbekommen und waren überrascht – sprachen leise ihre Bemerkungen über diese Situation aus, tuschelten – ich konnte nicht anders als die Künstlern zu fragen, ob sie auch was trinken möchte „einen Kaffee bitte“ sagte sie und ihre Augen leuchteten. Der Teller war schnell leer und ich wartete ungeduldig auf unseren Ober, die in italienischer Manier richtig Zeit für die Bestellungen hatte. “Kommt der Kaffee noch?“ fragte die Künstlerin – ich musste lächeln – aus der Menge hörte ich ein “wie unverschämt“, ich aber wusste sie hatte mich nur beim Wort genommen und vielleicht wollte sie nicht ohne etwas zu essen oder zu trinken ihre Zeit an diesem Tisch vergeuden “Ja, es dauert nur noch einen kleinen Moment“ Endlich brachte man mir meinen “Latte“ – ich bezahlte auch direkt natürlich mit Trinkgeld und der Ober ging direkt zu dem Tisch der Dame, nahm den Teller und fragte etwas sie antwortete sofort unüberhörbar „Die Dame hat mir einen Kaffee versprochen“ und meine Freundin stellte auch sofort “meinen“ unangetasteten Latte rüber. Der Ober schenkte mir einen überraschten Blick – er wusste schließlich, dass ich den ja schon lange vor dem Auftauchen der Dame bestellt hatte, kurz berührte er meine Schulter, wie ein Klopfen für “Gut gemacht!“ und die Künstlerin nahm diesen Latte genüsslich an, lehnte sich zurück und war froh über die Berechtigung in einem Lokal zu sitzen, in dem alle wie selbstverständlich Platz nahmen, sogar ein Hund bekam vor ihr zustimmende Blicke und dieses Recht hatte sie jetzt auch für einen kleinen Moment. Sie bedankte sich überschwänglich – ich hatte in diesen Minuten mehrmals gedacht, ich frage sie ob sie zu uns an den Tisch kommt – allerdings wusste ich nicht, ob ihr das unangenehm sein würde, so hatte sie ihre Privatsphäre und war stolzer Besitzer eines Tische im Lokal inmitten des Touristentrubels und er Latte schmeckte ihr sicher auch. Vielleicht hätte ich ihr noch etwas zu essen bestellen sollen, bei der nächsten Gelegenheit werde ich das tun.
Das schreibe ich nicht so ausführlich um zu prahlen, wie gut ich bin, ich will nur auf die Gelegenheiten aufmerksam machen – an einem Tag an dem es uns so gut geht und das Leben lacht, an solch einem Tag wird es uns noch besser gehen, wenn wir die Chance ergreifen. Meine Freundin empfand die Künstlerin als Gebetserhöhrung, weil sie wirklich nicht mehr wusste, wohin mit dem Essen – und so stand sie auch da wie aus dem Nichts, das Essen war nicht vergeudet. Natürlich hätten wir die Künstlerin auf “Jutta Suppenküche seit 1996 freitags vor dem Dom“ aufmerksam machen können – dort standen sie bereits in Schlangen bereits an – vielleicht war sie aber auch meine Gebetserhöhrung, weil ich so gerne etwas für die nicht so gesegneten Menschen tun möchte – ich bewundere die Menschen, die ihre ganze Freizeit damit verbringen etwas vom Überfluss zu verschenken und das auch noch regelmäßig. Vielleicht denkst Du jetzt ja Mari, Dir passieren immer wieder solche Sachen(stimmt!!), aber ich kann so was nicht tun – doch kannst Du – fang‘ einfach damit an jemanden anzulächeln, der es vielleicht garnicht verdient, der blödeste Kollege, die hinterfurzigste Schnepfe auf der Arbeit – schenke ihr ein freundliches Lächeln – er/sie braucht es mehr als Du, oder gib‘ dem Bettler, der immer an der Straßenecke lungert, mal mehr als nur 1 Euro oder gar 50 Cent (der geht nur davon Saufen? Na dann kauf ihm ein belegtes Brötchen – aber eines, dass er auch essen kann) oder hast Du schon mal mit einem gesprochen? Einfach so angesprochen und einen Deiner kostbaren Momente an die Person verschenkt? Der (schwarze) Mann an der Kundentoilette oder die stinkende zahnlose Frau – gebt ihnen doch einen menschenwürdigen Moment – egal wie – ehrt sie, indem ihr ihnen ein Opfer bringt. Es muss kein großer Akt sein, ein kurzer Moment für Euch ist ein positiver Meilenstein im Leben anderer. Ihr werdet auch merken, wie gut es Euch selber tut – wie schön der Moment des glückseligen Funkelns in den Augen ist. Diese Künstlerin hat den Tag schön gemacht – obwohl sie erst zum Ende kam, als ich bereits dachte schöner kann es nicht mehr werden. Okay er wurde noch schöner, als ich zu meinem Auto ins Parkhaus kam, das  Seitenfenster in der Fahrertür offen und nicht angerührt – seit 6 Stunden mitten in Köln –  das macht mich demütig dankbar für all den Überfluss in dem ich leben darf.
Sei ein Segen – erkenne die Chance, die heute auf Dich wartet, die Chance wartet auch wenn Du kein Christ bist – Gutes zu tun, hat noch niemanden geschadet deshalb regnet es ja auf die Gerechten und die Ungerechten. Selbst wenn ich nicht “in den Himmel“ komme, möchte ich diese Momente nicht vermissen – sie bereichern mein Leben.
Ich wünsche Dir, der/die das liest den Mut die vielen Chancen zu nutzen.
Gott segne Dich – egal wer Du bist und wo ER liebt es Dich zu segnen, weil er Dich liebt

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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Eine Antwort zu Du kannst es ….

  1. leoniesp schreibt:

    #Ermutigerin! Danke!

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