Blickwinkel – das Herz des Vaters

Der Trend in der Vorweihnachtszeit das Evangelium in kleine Geschichten, wie buntes Geschenkpapier, zu verpacken – es gibt Stories über Maria, Josef, Herodes, die Hirten, die hlg. 3 Könige (die keine waren) und so viele Sichtweisen – ist einguter Weg, obwohl ich denke, solche Predigtreihen könnte es auch Ostern geben oder mitten im Sommer – allerdings bin ich da sowieso mehr philosophisch on the road …. Seit Jahren bekomme ich Scripts von einem der Pastoren, um sie in “Handouts“ zu verwandeln (früher hießen das KG-Leitfäden) das mache ich schon ziemlich lange. Immer wieder erwische ich mich, dass ich mir Gedanken mache wie die Predigt so sein wird, was der Pastor sagt und wie er es meint – das habe ich schon bei dem vorigen Pastor vergeblich versucht und bei dem jetzigen gibt es immer wieder ein leises Schnalzen, weil ich überrascht werde – was aus dem Script wird. Im Script steht ja mehr als in diesen Leitfäden-Handouts und so fasse ich oft eine Meinung – die jedes Mal nicht bestätigt wird – dieses kleine interne Spiel ist schon interessant – weil ich dahinter Gottes Humor sehe und regelmäßig erfahre, dass ich weder den Pastor noch Gott in eine Ecke drängen kann und sie mich immer wieder liebevoll überraschen – für diese Erfahrung bin ich den Pastoren (U.+ F.) sehr dankbar, denn es holt mich wieder dahin zurück, wo ich hingehöre – in die Demut.
Aus dieser Demut heraus betrachte ich dieses Jahr Weihnachten ganz anders, für jeden, der mit Jesus in Berührung kam, war es eine (meist freudige) Wende im Leben – ok der Herodes hatte mehr mit Ängsten zu kämpfen als jemals zuvor. Für einen Weihnachtsgottesdienst habe ich mal Videos gemacht und versucht die Sichten der Apostel, Hirten, Maria und Josef und des Esels der Maria getragen hat, zu erfassen – ein aufwendiges Projekt, das dann doch nur ein Splitter des wirklichen Erlebnis Jesus sein kann. (In mein Gesicht setzt sich immer noch das Grinsen, weil der Effekt, wie der Esel den Kopf abnimmt und fragt: “War das schon alles?“ viele Zuschauer bewegt hat … Wenn der Esel schon fragt …. ) – einmal habe ich versucht den Weihnachtsgottesdienst für die Perspektive Gottes zu nutzen.(Da konnte ich noch weniger, als einen Splitter der Göttlichkeit erfassen – ich glaube, um alle Facetten von Weihnachten aus himmlischer Sicht zu erfassen, benötigt man mehr als einen lebenslangen Gottesdienst) wie war das denn – als die Dreieinigkeit beschloss Jesus als Retter auf die Welt zu senden. Mein “Heiliger Geist“ wurde von einer jungen Frau dargestellt (L. – danke Du warst HERRlich) ein quirliger intuitiver Geist, der alles am liebsten selber machen wollte, und weil wir uns kein Bild machen sollen, war die Dreieinigkeit verschleiert, die Darsteller trugen Masken und lange wallende Gewänder – wegen der Technik mussten wir die Masken etwas schneiden – aber ich wollte nicht, dass man sah, wer dahinter steckte – so gerne hätte ich die Stimmen noch technisch verändert – aber es gibt ja auch kleine Kinder im Weihnachtsgottesdienst und das wäre zu eindrücklich gewesen (stellt Euch vor – die sowieso schon überdrehten Kinder unterm Weihnachtsbaum – mit intensiven Träumen wegen des Weihnachtsgottesdienstes – das wäre zuviel des Guten gewesen) Dennoch gibt es für mich immer wieder diese Spannung – wie war das bei Gott zu Weihnachten … der romantisch-lustige Teil meines Blogs endet hier – also wenn Ihr in Stimmung bleiben wollt, hört auf zu lesen ….

Von dem Script des Pastors angeregt, dachte ich über die Familie Jesu nach – Maria und Josef und Jesus – aber dann fiel mir auf, dass das doch eine Patchworkfamilie ist – nicht die allererste Patchworkfamilie, von der berichtet wird (im alten Testament gibt’s noch ein paar Esther z.b.) – die Geschichte eines reichen, allmächtigen Königs, der seinen eigenen Sohn in eine der ärmsten Familie gibt – Ausgehend davon, dass Gott mich erschaffen hat, hat er auch meine Gefühle gemacht und wenn sie Menschen machten nach ihrer Art (also sozusagen als ihre Spiegelbilder) dann hat Gott auch Gefühle – wenn ich als Mutter mein Kind zur Adoption gebe – will ich doch, dass es es gut hat, oder? Und wenn ich reich und allmächtig bin, dann suche ich mir doch ein richtig gutes und gemütliches Zuhause aus, so was mit Kerzen – sauber geputzten Fensterscheiben, Teppich und/oder Parkett, eine goldene Wiege, die mit Samt ausgeschlagen nur darauf wartet mein Kind warmzuhalten – am besten so ne Gluckenmutter, die bei jedem kleinsten Hüsterchen besorgt um “mein“ Kind herumläuft – damit ihm nichts passiert – einen Vater, der einen guten Job hat – sich Elternzeit nimmt – und dann seine Zeit innerhalb der Familie möglichst viel mit dem Kind verbringt …. Ihr wisst wo ich hinwill … aber Gott nicht – SEIN Script hat einen anderen Clou … und das so ganz ohne Humor – eine vierzehnjährige Jugendliche, die gerade verlobt ist mit einem “älteren“ Mann, ein Mädchen, das keine Ahnung vom Mumps, Röteln oder jedweden anderen Kinderkrankheit hat, die so arm lebt, dass ihr eigenes Kind eher an Schwindsucht stibt, als dass es überlebt – inmitten von Menschen, die sie verachten, weil sie schwanger ist – ohne verheiratet zu sein – Wenn sich jemand zur Adoption entschließt, dann ist es doch die Freude über das neue Familienmitglied, dass die Familie und das gesamte soziale Umfeld (inclusive Facebook, Twitter und co.) erfreut – aber diese Geschichte ist anders – vom ersten Augenblick wird die Mutter “bezweifelt – verurteilt – gedemütigt“ und sie sagt ja dazu, weil sie ihrem Gott vertraut – und Josef ihr Verlobter, der arme Kerl hatte es sich so schön mit dieser jungen Frau vorgestellt … und dann kommt ein Engel und beraubt ihn aller Illusionen – da er aus gläubigem Hause kommt, wagt er es nicht “Nein“ zu sagen – wie sieht denn seine Zukunft aus, entweder sagt er NEIN zu Gott oder NEIN zur Gemütlichkeit – ehrlich was hättest Du getan? Aber all das wird in den schön verpackten Predigtreihen beleuchtet …

Mein Blick bleibt aber weiterhin auf Gott, ein wenig kann ich das nachvollziehen gefühlsmäßig – als mein Sohn sich entschieden hatte, auszuziehen und die Welt zu erobern – nutzte er den Moment, an dem wir zu dritt an einem Tisch zum Kaffee saßen, mit einer meiner langjährigen Freundinnen (ja, ich habe auch Freunde) ich war guter Stimmung – plante in meine Heimatstadt zurückzukehren, wollte zu meiner Freundin ins Mehrfamilienhaus ziehen – 3 Zimmer Küche Bad – eines der größeren Räume sollte sein Zimmer werden und da traf es mich wie einen Schlag, Messerstich, Blitz …. – Mutti, ich könnte in die WG ziehen – “die WG“ – war mir bereits ein Begriff – da wohnten in einem Haus alle möglichen Jugendlichen aus der Gemeinde – alles “gute“ Jungs und Mädels (Mädchen in einer Wohnung – Jungens in zwei Wohnungen …. ) mein Sohn war mit einigen dort gut befreundet und ich ahnte von nichts – weil ich meine rosarote Gluckenbrille aufhatte, die jetzt mit einem zögerlichen “ääääh“ in Millionen Splitter zerfiel – mein Herz hörte auf zu schlagen und ich dachte, ich hätte mich verhört, meine Freundin stellte diese alles entscheidende und meine Welt verändernde Frage, ob er wirklich noch mit Mama umziehen wollte und er stockte – stotterte “äääh“ …. – Mutti, ich könnte in die WG ziehen – der Entschluss war gefasst, mitgeteilt und wurde ausgeführt…

Wie war das bei Gott? Welchen Schmerz hat ER durchlitten – denn Jesus trennte sich nicht nur vom Wohnort – sondern auch von allen Möglichkeiten, die er bis dahin nutzen konnte – von der Allmacht – vom Frieden – von einem Sein, dass uns unvorstellbar ist – Jesus entschied sich – “sie entschieden sich“ auf die Welt zu kommen, um des Menschen willen – der Mensch, der bis dahin (s. Altes Testament) immer wieder versagt hatte – Gott verraten und verkauft hatte und nur zum eigenen Wohle lebte – als letzter Hoffnungsschritt hat die Dreieinigkeit beschlossen das Geschenk der Liebe zur Vollendung zu bringen – nicht nur, dass wir in SEINEM Ebenbild geschaffen sind – nein ER selbst kommt auf die Erde um uns ein Opfer zu sein… ER – der immer wieder meinen Atem stocken lässt, wenn ich in Ehrfurcht demütig erstarre, weil ich über seine Liebe nachdenke ….. Welch einen Schmerz hat der Allwissende durchlebt? „Kind“, höre ich ihn fragen, „bist Du sicher?“ Aber Jesus, erfüllt von der unergründlich und unbeschreiblichen Liebe zu den Menschen, war fest entschlossen – und so beschlossen sie Maria auszuwählen – so wie sie zuvor Mose, Abraham, Rahel, Esther ausgewählt hatten, so erwählen sie Maria – klopften bei ihr an, stellen ihr die alles entscheidende Frage – und sie liebt Gott in der gleichen göttlichen unfordernden Weise zurück und sagt ja – nicht “ja, wenn“ … sondern “ja DEIN Wille geschehe“ (Jesus hatte die gleiche Liebe – damals in Gethsemane sagt er auch „Dein Wille geschehe“)– liebend demütig vertrauend – ja … war Gott beruhigt? So wie ich damals – wissend die neue Familie ist gut – sie ist nicht perfekt – aber sie gibt dem Kind was es braucht – Schutz, Rat, Unterstützung, Freundschaft in höchster Güte (danke P.) Okay, ER musste nochmal einen Engel senden, wegen der politische Lage – der König hatte es nicht kapiert und so völlig falsch reagiert – also raus aus dem Land und ne Weile warten – bis es besser wird – das war das letzte Mal, dass Gott eingegriffen hat – hat seinem Sohn den Weg gewiesen raus aus dem Land und wieder rein – zur rechten Zeit … und dann konnte er nurnoch zusehen – durfte nicht mehr eingreifen – selbst am Kreuz nicht – ER musste sich in Geduld üben … mein Sohn meldet sich regelmäßig, überhaupt macht er die Sache ziemlich gut, er ist ein guter Botschafter – hat es sogar geschafft, dass unsere unperfekte Familie beispielhaft für andere ist – wird gefragt, wie wir das so machen und das Bild von mir, dass er anderen gibt, ehrt mich – Jesus hat das auch sehr gut gemacht – schon als Kind „wisst ihr denn nicht, dass ich sein muss, wo mein Vater ist“ ER hat zwar kein Telefon benutzt und doch war er ständig in Kontakt mit Gott – und Gott hat ihm vertraut – hat ihn machen lassen – in Ägypten – in der Wüste – in der Auswahl der Freunde und Follower – er hat nicht gesagt “Hömma dieser Judas – lass den mal, der wird Dich verraten – der ist nicht gut für Dich, der ist geldgeil und ein Besserwisser! Boah und dieser Petrus ein ziemlich komplizierter Geselle – herzensgut, aber vorlaut und intuitiv – mit dem wirst Du es nicht leicht haben …. Selbst wenn Du ihnen die Füße wäschst wirst Du ihre Herzen nicht erweichen – ein Sauhaufen Deine Freunde … “ Nein, Gott war still und stand Jesus in der schwersten Stunde bei – als alle schliefen. Gott hat Jesus nicht erlöst, bevor die Erlösung stattgefunden hat – Gott stand ihm bei – hielt zu ihm – selbst als der Schmerz so groß war und das Mitleid ihn übermannte – Gott hat es nicht kaputt gemacht – ER hat es ausgehalten – ER hat sich nicht für SEINEN Sohn und gegen uns Menschen entschieden – den Schmerz in IHM kann ich mir kaum vorstellen – hin und her gerissen ambivalent zwischen Freude und Schmerz – ein wenig fühlen wir so, wenn wir der Sünde widerstanden haben – wir sind ambivalent hin- und hergerissen zwischen dem Richtigen und dem fadenscheinig Schönen – hin und hergerissen zwischen dem was wir jetzt möchten und dem was gut für uns und unser Leben ist – das richtige Leben – das wahre …. so ganz habe ich es nicht ergriffen – werde ich auch nicht – aber dieses Jahr ist Weihnachten anders für mich – ambivalent hin- und hergerissen zwischen Freude, Romantik, Weihnachtsklischees und der Wahrheit von der ich mich ergreifen lassen möchte – die Realität Jesus – die Realität der Liebe – die Realität der Dreieinigkeit ….

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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