Stille Nacht versus Schnatterhaft

IMG_7096Was für ein Weihnachten …. Jedes Jahr Heiligabend ist ein Abenteuer und wir lieben es – wir, das sind mein Sohn und ich – es gab schon so unterschiedliche Weihnachten – ein Jahr mit Wohnungslosen – da war mein Sohn ca. 5 Jahre alt– es gab Ente und Klöße und Rotkohl – vorher eine Suppe und nichts ist übrig geblieben – das Beste für ihn war wohl, auf dem Teppichboden irgendwelche Legoteile zusammen zu bauen und die Wohnungslosen haben es auch richtig genossen. In dem Jahr bekam ich die Dankbarkeit geschenkt. Dann gab es ein Weihnachten im Haus der Freunde mitten in Umzugskisten, aber wir waren als Gäste Könige – halfen zwischen den Jahren zu packen und mein Sohn durfte das erste Mal zu Sylvester böllern – in diesem Jahr bekam ich einen neuen Namen. Ein anderes Jahr waren wir bei Nachbars – sie hatten neben uns ein anderes Pärchen eingeladen – kurze Zeit später ist der Mann verstorben – das war das Jahr, das mich mit Lebensfreude beschenkte. Wir hatten mal eine Chinesin Heiligabend zu Besuch – sie spielte fast die ganze Nacht mit meinem Sohn mit der Wii. Mut zur mir zu stehen, wurde mir da geschenkt. Ein Jahr feierten wir in der Gemeinde mit Menschen, die sonst alleine gewesen wären – ich wurde mit Bestimmtheit beschenkt.  Letztes Jahr waren wir nach dem Gottesdienst beim Buffet all you can eat beim Chinesen – es gab Bauchschmerzen ….. dieses Jahr buchten wir dort auch wieder einen Tisch – es ist so schön, nicht mehr kochen zu müssen – aber ich hatte ebenso Gulasch vorbereitet – die Semmelknödel (Fertigware) lagen zum aufplustern im Salzwasser und der Rotkohl wartete darauf aus dem Glas gelassen zu werden – der Tisch war gedeckt und so konnte ich kurzfristig entscheiden, was wir machen wollten.
Der Gottesdienst begann und Ziel war, dass jeder Teilnehmer mindestens einen der 53 Namen, die hinten an der Wand prangerten, für sich in Anspruch nahm. schon bei den Generalproben, konnte ich mich nicht entscheiden – das Lied Friedefürst (engl. Prince of Peace) hat mich jedoch tief berührt – die Stimme, die es sang drang bis tief in mein Herz – Friedefürst – so viele Punkte, an denen ich mehr Unfrieden gebracht hatte als Friedensstifter zu sein – schuldig – mehr als ein schlechtes Gewissen beschlich mich – neue Vorsätze – wieder einmal!!!! Im zweiten Gottesdienst schlief ein Kind neben mit, sitzend ein – er war so friedlich und so veranschaulichte er mir das Bild des Friedens – wie einfach und genial Frieden sein kann. In den Vorbereitungen meinte jemand, dass die Pizza Schnatterhaft doch die richtige für mich sei – Recht musste ich ihm geben, so oft ist mein Mund einfach viel zu schnell …“Das ist Mari!“ höre ich oft, fast laut – meine allerbeste Freundin, wenn ihr mal wieder die Sprache fehlt. weil ich irgendwas Spontanes gemacht habe – z.B. in Ihrer Arztpraxis auf’m Dorf in Ostfriesland im Wartezimmer alle unterhalte, weil ich fröhlich auf einem Kinderstuhl sitze – weil kein anderer Stuhl frei ist und die ganze Aufmerksamkeit ausnutze – um den Blich auf eine “Lostrommel“ zu lenken – also eine Glaskugel in der kleine  gebundene Verse aus der Bibel lagen – mit goldenen Umschlägen – ich denke, es sind Glückslose und frage laut danach – meine Freundin sitzt auf der gegenüberliegen-den Seite und erklärt mir dass es Bibelverse sind – für mich ist das dasselbe, entgegne ich und “ziehe“ ein Los … eine andere Dame tut es mir gleich und dann reicht sie die Lose rum – jeder aus dem Raum zieht sich eins – innerlich muss ich grinsen – ach so geht das mit der Evangelisation, denke ich – lese kurz in der ausliegenden Bibel, notiere mir kurz, was ich gerade über Herodes lerne und sehe in ein Gesicht, das mir freundlich zulächelt – es gehört einem Ostfriesen – so zwischen 70 und 80 muss er sein – Weisheit strahlt aus seinen Augen …. oh abgewichen – sorry schnatterhaft eben ….(Sprüche 10, 19 Wo viel Worte sind, da geht’s ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen hält, ist klug.)
Wir sind dann also los nach den Gottesdiensten – es sollte kein Buffet sein, ich wollte meinem Sohn seine heißgeliebten Klöße und Rotkohl machen, wir ließen die Reservierung einfach verfallen. Jetzt nur noch eben ein Weihnachtsgeschenk, das ich beim vorigen Ostfrieslandbesuch besorgt hatte, abgeben und dann ab nach Hause – kochen, essen bescheren … als wir eintrafen sah man die Hausherrin durch das Fenster in der Küche hantieren – es war ein schönes Bild – ich hätte ihr noch stundenlang zusehen können – aber wir wollten ja schnell weiter, so klopften wir ans Fenster und als sie uns erkannte strahlte ihr ganzes Gesicht – Heiligabend einfach vorbei schneien – so was geht doch normalerweise garnicht – so was macht man nicht uneingeladen reinzuschneien – naja bei 14 Grad Außentemperatur war es wohl eher, mit der Türe ins Haus fallen ….wir wollten auch direkt weiter, aber sie bestand darauf, dass wir noch etwas mit ihr tranken – so landeten wir also in ihrem Wohnzimmer – begrüßten die Schwiegermutter und eine irakische Frau mit unaussprechlichem Namen und ihre Tochter – oben seien noch die Jungs sagte meine Freundin … es waren Flüchtlinge – gerade erst in Deutschland angekommen – sie sprachen so gut wie kein Deutsch – aber die Tochter spielte mit einem Fischfangspiel auf dem Boden und die Mutter schaute freundlich drein – sie verstand leider auch mein Englisch nicht – so gab es keine große Unterhaltung. wir wurden mehrfach aufgefordert da zu bleiben – das war mir irgendwie peinlich, aber mein Sohn verschwand kurz nach oben, um mit der Carrerabahn zu spielen, der Mann meiner Freundin kam runter zu uns und beschloss einfach, dass wir da bleiben. Basta – so waren wir Weihnachtsflüchtlinge, Meine Semmelknödel schwammen einsam weiter im Salzwasserbad …. wir blieben und ich machte mich wenigstens in der Küche ein wenig nützlich – wenn man schon schneit, dann muss man auch Salz streuen …. das Essen war fertig und wir füllten die Schüsseln mit Klößen und Rotkohl und die Soßiere mit Soße – es roch köstlich und ich freute mich sehr auf das Essen. Als der Rest der Familie im Wohnzimmer eintraf, wurden wir direkt auf Arabisch dem Ehemann erklärt – unsere Namen fielen, das konnte ich raus hören der Familienvater lächelte und begrüßte uns sofort, die beiden Jungs taten es ihm gleich . da waren wir also nun ein Haufen Flüchtlinge am Essenstisch – der Hausherr sprach ein Gebet und wir nahmen uns an die Hände und gaben im typischen Singsang ein gemeinsamen Essenanfangsspruch von uns. Ahmed freute sich über das Essen, er probierte von jedem etwas und genoss es – die Kinder waren etwas befremdet und bissen überall mal hinein – ich stellte mir vor, wie es sein würde, wenn wir im Irak wären. würden wir alles essen??? Dann beginne ich mit Ahmed zu reden – er spricht englisch und freut sich über meine Fragen – wir albern rum und ich sage, dass es klingt, wenn ich singe wie wenn eine Katze getötet wird – das findet er lustig und freut sich über das Bild, weil er sich genau vorstellen kann was ich meine …. er macht Selfies mit einem für Flüchtlinge typischen Smartphone  – ich frage alle Fragen, die man nicht fragt … und er erzählt mir, dass er sich dem Islam nicht beugen wollte – er sei Atheist – das überhöre ich und erzähle die Geschichte von Daniel in der Löwengrube in kurzen knappen Worten – er versteht sie nicht ganz (glaube ich) wahrscheinlich habe ich zu schnell geredet und die falschen englischen Worte genutzt, so erkläre ich einfach, dass Gott Daniel beschützt hat. Mein Sohn meinte später, dass er auch meine ostfriesische Freundin gehört hat die öfters bemerkte Das ist Mari! Wir lachten viel – beosnders als Frau Ahmed wissen wollte, was man nach dem Essen auf Deutsch sagt – mein Sohn klopfte sich auf den Bauch und gab Töne von sich, die mitteilten, dass er pickepacke voll sei. Alle lachten. Die Gastgeberin fragte Ahmed, wie es ihm geht und er sagte er spüre Frieden in sich – da wurde ich hellhörig FRIEDEFÜRST da war er wieder – Ahmed erzählte mir, wie das mit der Flucht ging – ich muss sicher nicht erwähnen, dass ich Gänsehaut bekam – wie dramatisch so was ist – er erklärte, dass sein Smartphone sein Instrument war, dass der Familie das Leben gerettet hat – sie bekamen die besten Tipps – wie sie wohin gehen mussten – erläuterte seinen Weg Irak – Türkei – Kroatien Serbien Bosnien  Mazedonien Slowenien und Österreich – Deutschland – die Reihenfolge kann ein wenig anders gewesen sein, es war so spannend zuzuhören. Ahmed sagt je nördlicher sie kamen, desto besser wurde es – Freiheit zu genießen sie ein Geschenk – seine Frau eine Muslima – muss das noch lernen, er konnte ihr im Irak keine Freiheit außerhalb der Wohnung geben, aber jetzt solle  sie frei entscheiden und tun was sie tun möchte. Er schreibe all seine Erfahrungen auf – er will erzählen was ihn motiviert – er berichtet über die Zustände in der Unterkunft und ich erkenne meinen Luxus, in einem Schlauchboot mit 28 Leuten – in einem Zelt mit vielen anderen Menschen – die nachts laut sind und es schwer ist Ruhe zu finden – geschweige denn zu schlafen – da rücken meine Semmelknödel mehr als in den Hintergrund, ich zeige ihm Aufnahmen aus unserem Gottesdienst – der Chor sing Immanuel  – es gibt Espresso und Eis – die Kinder strahlen Eis isst Ahmed nicht – auch nicht als ich ihm erkläre, das Eis im Bauch schmilzt und daher immer dazwischen passt  – er lacht – er freut sich, er ist neugierig und glücklich…. da sind wir nun wir Flüchtlinge in der Herberge – sie aus dem Irak, wir vor Weihnachten – was für ein Abend!!!! Es wird spät, die Kinder sind müde und Ahmed sagt sie müssten zurück- die Kids haben Angst vor der nächsten Nacht – weil in der letzten, das Zelt drohte einzustürzen. Wir verabschieden uns, ich nehme Frau Ahmed feste in den Arm – sie soll wissen, dass sie geliebt ist. Jesus war auch ein Flüchtling, ob irgendjemand Maria zu der Zeit in Ägypten mal in den Arm genommen hat? Jemand anderes als Josef meine ich.
Danke Febe und Bernhard Ihr seid geniale Herbergseltern.
Jesaja 7,14 Darum so wird euch der HERR 1014111_1132205563458699_6015015915879721181_n - Kopieselbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel.
Heute lese ich folgendes auf FB und bin berührt – das soll so im Koran stehen:  „Und Friede war über mir an dem Tage, als ich geboren wurde, und Friede wird über mir sein an dem Tage, wenn ich sterben werde, und an dem Tage, wenn ich wieder zum Leben erweckt werde. Dies ist Jesus, Sohn der Maria – dies ist eine Aussage der Wahrheit, über die sie uneins sind.“ – Sure 19:33/34 (/Koran)

Friedefürst mal Schnatterhaft …. Ahmed meinte, er wird über mich schreiben – ich würde es sehr gerne lesen …..

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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Eine Antwort zu Stille Nacht versus Schnatterhaft

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