Seeblauer Moment 

Manchmal erinnere ich mich an diesen Moment, als die Wohnmobiltüre aufging, Deinen Kopf herein stecktest und kopfschüttelnd wieder verschwandst. Lustig, dachte ich, denn ich wusste, dass Du mich suchtest – wir waren schließlich verabredet. Du als Vertreter Deiner Firma und ich als Vertreter Eures Geschäftspartners, dann kamst Du zurück, ziemlich verunsichert und ich sah zum ersten mal Deine Grübchen, als Du verschüchtert lächeltest. Schnell fanden wir zu einem gemeinsamen Lachen – als Du die Geschichte erzähltest, erwähntest Du immer, wie ich Dir einen Kaffee anbot und die Tasse aus dem obersten Fach herausholte, das war ein beeindruckender Moment für Dich …. Damals ahnten wir noch nicht, dass aus uns die schönste Geschichte der Welt werden würde, jedoch eine nach Nicolas Sparks – ohne Happyend. Niemals werde ich den Moment vergessen, an dem ich zum ersten Mal die Güte in Deinen Augen sah, die Güte, die die schlimmste Katastrophe in meinem Leben zu einem wundervollen Moment machte. Leise flüstertest Du: ich glaube, wir sollten eine Runde gehen – diese Runde endete um 6 Uhr am nächsten Morgen, ich war voller Adrenalin, um 7 mussten wir frühstücken inmitten der neugierigen Blicke der Kollegen – woher sollten Sie wissen, das wir die ganze Nacht Rücken an Rücken verbracht hatten und xnur Gott die Welt uns durch die Münder lief – wir redeten ohne Unterlass, selbst als uns die Worte ausgingen – Du warst der erste Mensch in meinem Leben, der an mir interessiert war, ohne mir zu nahe zu kommen, Du berührtest meine Seele indem Du da warst. Der folgende Tag war wunderschön, wir blickten uns an und erzählten uns in Sekunden mehr, als andere sich in Jahrzehnten erzählen würden. Wir sprachen über den Gesang der Vögel, über den Sound der Baumaschinen, die krachend an unserem Messestand vorbei fuhren, Estriche und die Sterne, die letzte Nacht unseren Worten lauschten und die tausend Tränen trockneten, die geflossen waren – es waren Geschichten über Verrat und Ermutigung Geschichten, die Dein und mein Leben schrieb, getrennt voneinander, jeder hatte seien eigene Geschichte, die in diesen Tagen aufeinanderprallten. Mit aller Kraft hast Du versucht, die schwarzen Wolken zu vertreiben, sobald sie am Horizont auftauchten, strahltest Du sie mit Deinen seeblauen Augen fort, nie zuvor hatte ich ein solches Blau gesehen, ich wollte nie wieder aufhören in ihnen zu versinken. In der Woche habe ich weniger geschlafen, als in den Wochen nach der Geburt meines Sohnes und doch war ich so voller Energie, eine Energie, die ich nie zuvor kannte, trotz aller Schwere in meinem Leben, war ich leicht und das Leben war sanft. Nächte voller Worte, voller Schweigen. Es gab keinen Moment ohne Worte, selbst wenn wir nicht sprachen, tanzten unsere Seelen Walzer und Wogen sich im Takt der Poesie unserer Leben. Und dann kehrten wir zurück, Du zu Deiner Familie, ich in mein Chaos – in meinem Leben war Krieg ausgebrochen und ich musste die Scherben zusammen sammeln, aussortieren und ein neues Lebensbild finden . Durch die Momente, die wir gemeinsam verbracht hatten, hatte ich die Kraft gefunden mutig zu sein – dafür habe ich Dir nie gedankt und jetzt ist es zu spät – dort wo Du jetzt bist gibt es keine Worte, keine seeblauen Augen, Du bist blass und zerfällst in Staub, nur Knochen sind jetzt noch übrig, ich weiß noch nicht mal ob Du verbrannt wurdest und wo die Stätte ist, an der sie Dich begruben – das steht mir auch nicht zu – ich habe die Erinnerung, die mir niemand nehmen kann, ich lächle weil ich in Gedanken, den unsicheren Bären sehe, der Grübchen im Gesicht hatte, wenn er lachte.

Advertisements

Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
Dieser Beitrag wurde unter Augenzwinkernd Geschichten - Gedichte - Lyrics veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s