Plausch aus dem Nähkästchen: „Menschen, die Liebe nicht gewohnt sind …..“

Für Menschen, die Liebe nicht gewohnt sind …..ist es unmöglich wahre Liebe auszuhalten.

Neulich erst hatte ich eine Unterhaltung mit jemandem, der nicht verstand warum ein anderer Mensch so ablehnend auf seine Liebe reagierte. Es ging hier nicht um Beziehungsprobleme im Sinne von “ich lieb sie, sie liebt mich nicht“, sondern darum, dass einem Menschen aufrichtige Liebe entgegengebracht wurde und diese “scheinbar“ mit Füssen getreten wurde. Kann man das verstehen? “Wir tun alles für diese Person, damit sie sich geliebt und willkommen geheißen fühlt und trotzdem macht sie dieses und jenes!!! Nein, das können wir so nicht länger dulden!“

Sofort wurde ich an eine Begebenheit in meiner “Liebeskarriere“ erinnert – ich habe eine ganz besondere Freundin mit einer sehr großen Familie – sie hat 3 Schwestern und die sind alle verheiratet und haben mindestens 2 Kinder. Die Eltern meiner Freundin sind auch Geschwisterkinder so dass eine Familienfeier sehr schnell ausarten kann. Vor einigen Jahren wurde ich zur Goldhochzeit eingeladen – ein großes Event – im Voraus ging es um Präsentationen, Sketchen und all diese Dinge, die für solch einen Tag von einer Familie vorbereitet wurden. Der Tag kam unaufhaltsam auf mich zu und ich quälte mich zu der Veranstaltung, die mit einem Festgottesdienst begann. Alle waren so liebevoll zu mir und untereinander, dass es wie im Paradies vor dem Sündenfall zuging – keine schlechtes Wort alles fröhlich und voller Freude über den Anlass. Man umarmte sich bei der Begrüßung und schenkte einander freundlich warme Worte – erkundigte sich wie es dem anderen ging und setzte sich in die Reihen, um den Gottesdienst zu genießen – bis zu diesem Zeitpunkt war ich voll in Beschäftigung und nun saß ich arbeitslos staunend da – Familie von außen betrachtend und mit jeder Schönheit die sich ereignete, stieg in mir die Kälte des Grabes der Ablehnung auf – ich war so froh über diese Familie, aber in mir tobte dieser Kampf. Dieses Gefühl lässt sich nicht beschreiben, dafür hat noch keiner Worte erfunden, selbst Bilder malen kann man nicht, denn es ist das furchtbarste, das einem Menschen widerfahren kann. Diese Gefühl ist schlimmer als missbraucht oder verachtet zu werden, du stehst im warmen Sommerwind und mit jeden Luftzug klatscht Dir ein eiskalter Lappen vor den Bug und zerschneidet all die Reißleinen, die Du bisher als Halt hattest, es zieht Dir die Socken aus. Du verlierst den Boden und die Speere der Tigerfalle durchstoßen Deine ungeschützten Füße – in Dir zieht sich alles zusammen, Dein Herz wird mit einem Stahlhammer beschlagen da ist sie – die Liebe, für die Du nie als würdig erachtet wurdest – die Liebe, die sie sich untereinander kostenlos verschenken, die Du Jahrzehnte lang nicht gekannt hast – jetzt steht sie vor Dir lächelt Dich an und strahlt in allen Farben des Himmels und der Erde – sie blendet so sehr wie der Sonnenstrahl am Tunnelausgang – Du kneifst die Augen zusammen und fährst fast blind weiter – wie gelähmt saß ich auf dem Stuhl und nach dem Gottesdienst fuhr ich nach Hause – obwohl ich wusste, dass das flasch war und was ich verpasste vom Essen bis hin zur Gemeinschaft – ich konnte die Liebe nicht ertragen.
Da ich das Glück besitze eine ganz besondere Freundin zu haben, die mich schätzt und ja ich würde auch sagen liebt, konnte ich das allererste Mal darüber reden – ein paar Tage später nachdem sich die Anklage in mir legte, die mir vorwarf undankbar zu sein und mich als Feierspoiler an die Wand stellte. Die Nachrichten, wo ich denn sei, blieben unbeantwortet – bis das Telfon schrill meinen Namen rief und nicht verstummte, bis ich abhob und sie sich mit ihrer warm klingenden Stimme nach meinem Wohlergehen erkundigte. Sie ahnte, dass irgendwas nicht in Ordnung war, denn so kennt man mich nicht – wortlos, karg und kalt. “Ich konnte es nicht ertragen!“ presste ich hervor, “ich konnte eure Liebe füreinander nicht ertragen!!“ Als ich das aussprach zitterte ich vor Angst – darf man das sagen? Darf man sagen ich kanne snicht ertragen, ohne diese kostbare Freundschaft zu verlieren? Mir war kalt, obwohl ich einen warmen Pulli trug und die Heizung bis zum Anschlag aufgedreht war. Die Kälte, die um mein Herz jahrelang gelegt wurde verschlang jeden anderen Sinn, selbst die Sprache wich und das Schmelzwasser floss durch mein Gesicht – still wartend auf das was kam – langsam hob ich mein Schutzschild in Erwartung eines erneuten Hiebes – aber sie war ruhig und warm und hielt mich einfach aus. Heute Jahre später weiß ich, dass das der erste heilsame Schritt war!!!

Ein banaler Vergleich, aber vielleicht hilft es Dir, wenn Du die Packung gefrorenen Spinat in den bereits erhitzten Kochtopf schmeißt, kommt auch nix bei rum, außer Angebranntes.

So ist das mit der Liebe auch, wenn Du jemanden liebst, der erfroren ist, passt auf, dass Du ihn nicht verbrennst.

Meine Geschichte hat ein Happyend, denn das hat sich in dieser Familie wie ein Lauffeuer verbreitet. Sie wussten ab sofort, ich bin tiefgefrorener Spinat (haben mir das aber nicht gesagt) und begannen mit vereinten Kräften, mich langsam aufzutauen – sie beteten für mich, luden mich immer wieder ein, reagierten aber nicht enttäuscht, wenn ich nicht kam oder nur kurz blieb oder wenn ich da war und mich für (immer kürzer werdende) Zeiträume zurückzog, um Luft zu holen, war das für alle okay – sie wussten sie machen nichts falsch und ich durfte sein wie ich war – Familie eben – so wie es sein soll – so boten mir sogar Gelegenheiten einen guten Rückzugsort zu finden, ohne gleich weglaufen zu müssen. Mit der Zeit konnte ich die ein oder andere Wunde aufdecken und von ihnen betrachten lassen. Vor kurzem gab es wieder ein Fest und ich war dabei die ganze Zeit und als es wehtat, hatte ich die Kraft es auszuhalten und alles nur weil meine ganz besondere Freundin nicht aufgeben hat sie lehrte mich was Liebe bedeutet und wie schön sie ist. Mein Leben ist zwar immer noch nicht so wie es sein sollte, aber ich habe nun gelernt was Familie bedeutet und schöne Momente erlebt – an starken Tagen kann ich ganz normal sein und an schwachen, darf ich schwach sein – ich darf mir selbst die Erlaubnis dazu geben. Menschen, denen etwas an mir liegt und die ich schätze, wissen, dass es manchmal schwerer ist mit mir befreundet zu sein und trotzdem bleiben sie dran. Mein Coach würde mir jetzt etwas vom Mandelgedächtnis erzählen, gespeicherte Erfahrungen mit Positivem überdecken und so – ich weiß dass ich an einen Gott glaube, der Wunder tut, sei es das Wunder meiner Heilung oder das Wunder dieser besonderen Freundin mit Familie. Er tut Wunder und ich ätze und liebe die wenigen Freundinnen, die mein inneres kennen und trotzdem seit Jahren dran bleiben.

Danke an g.S. und Miss B!!!

 

 

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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