Vom Sessel und anderen Wünschen

Als ich im April in Ostfriesland war, sah ich einen Sessel – knallrot in einem Carport – einsam und verlassen – er schrie förmlich – “Mari hol mich hier raus!!!“… er bewegte mein Herz – wie er da stand. knallrot strahlend.im braunen Bretterverschlag – es kam mir vor als leuchtete er. (so wie in diesen Videospielen immer diese Goldtöpfe leuchten, sah ich das leuchtende Rot irgendwie wie ein Feuerwerk strahlen) Ich wollte mit den Eltern meiner Freundin frühstücken und dann ab nach Hause – so erkundigte ich mich, ob sie wüssten was mit diesem Sessel sei (am liebsten hätte ich ihn sofort mitgenommen) leider konnten sie mir keine Freigabe erteilen, es sei jemand neues eingezogen und seit dem einzig stünde dieser Sessel darum – meine Freundin hatte ihn wohl auch schon gesehen. Er hatte sie schon genauso entzückt wie mich! Da sank meine Hoffnung ihn wirklich zu bekommen und so vergaß ich ihn einfach. Dabei hätte ich ihn so gerne als Ort für meine stille Zeit genutzt.

Letztes Wochenende – fuhr mein Pastor wegen eines Dienstes mit seiner Frau nach Ostfriesland , als er fragte, ob er mir etwas mitbringen könnte, hüfte mein Herz, ich wunderte mich, weil es so bestimmt erwartungsvoll klang – als wüsste er, dass etwas dort auf mich wartet – aber ich verneinte, denn den Sessel hatte ich vergessen – so erwähnte ich ihn noch nicht mal im Scherz.

Sonntagnachmittag erhielt ich eine SMS von Frieda – sie schreibt selten – als ihr Name im Display erschien, bin ich ein wenig erschrocken und hoffte, dass es keine “badnews“ sind. Und dann las ich mit staunenenden Augen (können Augen staunen?)
Nein, lange musste sie nicht warten – ohne Grußformel und jedwedem Anstand reagierte ich prompt mit einem kurzen aussagekräftigen 3 Wörter Satz Ja, ich will!!!

Erst nach einigen weiteren Bestätigungen, dass ich wollte und wie ich wollte,  fiel mir auf, dass ich weder Gruß noch sonst irgendwas geschrieben hatte ….. das holte ich natürlich nach und versprach montags anzurufen, um über Abholung usw. zu sprechen – mein erster freier Termin wäre der 30. Juni gewesen (ein Tag den ich opfern würde, denn er war schon für etwas anderes reserviert) sie wünschten sich den 7. Juli (der bei mir nicht passte) und jetzt war 19. Juni ….. kurz (ne Sekunde oder so) dachte ich an den Pastor, der es mir ja angeboten hatte – aber ich wollte ihn nicht behelligen und außerdem wollte ich mit den Sessel ein erstes Abenteuer erlebe.
Montagmorgen: In meinem Kopf entwickelte ich ein Plan ….. dienstags war mein Sohn in der Stadt – er könnte also tragen helfen – wenn ich ganz früh losführe, dann wäre ich mittags zurück….würde das gute Stück in mein Auto passen? – was wenn nicht? – d.h. ich müsste einen Tag frei bekommen – obwohl Monatsabschluss ist, mein direkter Chef Urlaub hat ….da war jetzt mal ein Wunder dran – so rief ich Frieda an und erkundigte mich ganz unschuldig, was sie denn Dienstagmorgen so machen würde – Frühstück bei Freunden – sie sei um 08:45 Uhr weg … aber um 11:30 zurück …. das war das Wunder – so konnte ich morgens früh arbeiten (ab 6 bis 9) alles prüfen, was noch in den Monatsabschluss gehört und dann …..jetzt musste ich nurnoch den Abteilungsleiter überzeugen …. und tatsächlich ….. 08:45 Uhr ging es los – bis auf eine hartnäckige Steckmücke in meinem Auto, die dem Gebläse, dem Durchzug und verschiedenen Vertreibungsaktionen bis nach Ostfriesland trotzte, war die Hinfahrt gemütlich und staufrei – ich hielt noch kurz an einem Blumenladen, um Frieda und der Nachbarin ein kleines Dankeschön zu besorgen und packte mir ein paar Brötchen ein, dann klingelte ich erwartungsvoll an der Haustüre, mitten im Flur stand er – schon abgesaugt und vorbereitet – MEIN Sessel!!!

Es ist mir immer wieder eine Freude in dieses Haus zu gehen – auch ohne Sessel – es ist so voller Liebe – man fühlt sich immer herzlich willkommen, gewertschätzt und fröhliches Lachen spielt eine große Rolle in diesem Haus – ich war noch nie da ohne gelacht zu haben. wir sprachen über ernste und lustige Themen – ich wäre so gern noch länger geblieben – diese Menschen wissen wirklich wie man es macht, dass jeder sich bei ihnen zu Hause fühlt. Es gab Kartoffeln, Frikadellen und „Gemüse“ und das obwohl sie selbst eigentlich gar keinen Hunger hatten – wir verbrachten eine gute Mittagszeit – die Sauce des Gemüses war so lecker – auf meinen Klagen, dass es reine Sahne sei, sagte Frieda “nö da ist auch noch ein Stück Butter drin“ (ich erinnerte mich ein halbes Pfund in der Pfanne gesehen zu haben) “und Wasser „ fügte sie hinzu – na Wasser ist ja gut, dachte ich, als ich mir eine weitere Portion Gemüse J auflöffelte. Die Nachbarin (sehr sympathisch) kam kurz rüber – sie hatte sich so über die Kleinigkeit gefreut!!! Und erzählte, dass der Stuhl eigentlich für ihre Schwester vorgesehen war, die sich aber plötzlich unentschieden hatte. genau wie meine Freundin, fanden sie, dass sie keine Platz für ihn hätten ….

Nach einem Stück gedecktem Apfeltorte (ohne Sahne) fühlte ich mich gestärkt und wir luden den Sessel, so gut es ging, ins Auto – das war auch wieder so lustig, mein Finger steckte mehrfach fest, die Kordel hielt nicht, was sie halten sollte und munter plaudernd schafften wir es dann doch, dass ich mich auf die Heimreise machen konnte. 286 km mit offener Klappe …. bitte Gott, lass es nicht regnen ….das Abenteuer begann, um 16:30 Uhr war ich zu Hause. 16:40 Uhr der Sessel steht da, wo er hingehört.  Das Beste: mein Sohn meinte, dass er wie für mich gemacht sei – er passe wie angegossen – ein Ohrensessel auf dem ich im Schneidersitz sitzen kann und die Ohren von ihm in der Höhe meiner Ohren – also genau richtig bei 1,52 m Körpermaß ist das schon ein weiteres Wunder.
Manchmal staune ich, wie Gott Herzenswünsche erfüllt – ich war so verliebt in diesen Sessel – er hatte wirklich meine Seele angesprochen – ich musste ihn aufgeben (loslassen), weil es andere Aspiranten gab und ich nicht damit rechnete, ihn wirklich zugesprochen zu bekommen, dann in kürzester Zeit für nur eine Tankfüllung, ein paar Blumen, ein staufreier Tagesausflug und er landet in meinem Wohnzimmer!!!

Dieser Sessel wird jetzt meine stille Zeit pimpen, weil er mich täglich daran erinnert – alles was ich mir vorgenommen habe, darin kann und wird er mich unterstützen – das Beste kommt noch …. und ich lasse Euch sicher daran teilhaben.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Herzenswünsche erfüllt werden, wenn man sie loslassen kann, Gott ist großzügig, so will ich auch meinen größten Herzenswunsch loslassen ….

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Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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