Zu früh

Mein Neffe ist gestorben – er war 14 Jahre jünger als ich und 14 Jahre älter, als mein Sohn, das ist ziemlich traurig, denn mit ihm geht jemand, der ein gutes Herz hatte und mehr noch – sich eingesetzt – sich gekümmert hat und leider nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens gelebt hat. Er wurde enttäuscht von Menschen, die ihn eigentlich supporten sollten – engste Familie und auch von mir. Abstand war zwischen uns – nicht weil er mir etwas getan hatte, sondern weil ich Angst hatte jemandem zu begegnen, der Dreck in meinem Leben aufwirbelt, den ich eigentlich mit der Hilfe Gottes begraben habe. Jemand der auslöst, dass der “alte Mensch“ in mir aufersteht – zumindest scheinbar. Meine Vergangenheit bestimmt nicht meine Zukunft – das weiß ich, aber es gibt Menschen, wenn ich mit denen in Kontakt stehe – ist es als ob jemand mit einem Schild rumläuft und mich an viel Dreck erinnert. Mein Neffe hatte mit all dem nichts zu tun – ganz im Gegenteil, er hat vieles bereinigt, aber er war zu nah an dieser Person und selbst seine eigene Trennung von dieser Person hat nicht dazu geführt, dass ich mutiger wurde – jetzt weiß ich, dass da noch was zu klären ist, denn so viel Macht möchte ich dieser Person nicht geben. Das muss ich mit Gott ausmachen und ich frage IHN was zu tun ist – das ist aber nicht das Thema von heute. Als ich über den Tod meines Neffen trauerte, meldeten sich alle möglichen Menschen – Christen hauptsächlich … und ich bin sehr dankbar, dass viele einfach mittrauerten – aber ich wollte eines nicht hören … ich glaube ja daran, dass man “Jesus annehmen muss“, um in Ewigkeit mit Gott – also im Himmel sein zu können, denn Jesus hat gesagt ich bin der Weg und die Wahrheit … Johannes 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. 7Wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.… Nun ich weiß nicht, ob mein Neffe diese Wahrheit angenommen hat – erstens war ich ihm seit über 37 Jahren nie so nah und zweitens habe ich die Chance verpasst, während seiner Krankheit zu ihm zu gehen und zu tun, was der Heilige Geist mich eigentlich drängte zu tun … er war ziemlich lange in der Uni-Klinik und letztes Jahr hatte ich voll den Eindruck ich müsse ihn besuchen – der Alltag und nicht zu sein, wie jmd anders in unserer Familie, war stärker – oder meine Angst … ich war nicht da … und bevor Du jetzt sagst “Wenn Gott Dich gerufen hat, dann hat er sicher auch noch jmd anders gerufen und man weiß ja nie, was so in den letzten Wochen und Monaten insbesondere im Koma passiert ist“ .. das ist eine billige Ausrede. Meine Trauer lässt diesen Gedanken nicht zu – ich finde sogar, dass das eine billige, einfache, christliche Ausrede sein kann – ich meine, wenn uns das tröstet , warum erzählen wir dann überhaupt von Jesus. Also – eigentlich ist das auch so ein Kampf in mir – ich kann mir nicht vergeben, dass ich die Chance nicht genutzt habe und ja hier läuft auch jemand mit einem Schild rum “nanenanenana … den hab ich kassiert und DUhU kannst nix mehr tuhun!“ Klar Gott hat die letzte Entscheidung insbesondere über Leben und Tod und auch darüber, wen ER begnadigt und wen nicht. Die Beerdigung war irgendwie schön, so wertschätzend – sein Leben wurde hier gewürdigt und seine Freunde haben ihm zu “You never walk alone“ ans Grab getragen – kein Wort über das Leben nach dem Tod – kein Wort über Gott – kein Wort das man sonst auf Beerdigungen hört – Gott war nicht anwesend….

und ich bin den letzten Gang nicht mehr mitgegangen – weil diese Person anwesend war und sich suchend umschaute, ich habe mich hinter einen Baum gestellt, um nicht gesehen zu werden. Noch erschreckender war, als ich zur Beerdigung ging, sprang jemand aus einem Auto, der meinem Neffen 1:1 ähnlich sah, nur 20 Jahre jünger – also genauso wie mein Neffe vor 20 Jahren – er kennt mich nicht, merkte aber, wie sehr ich erschrocken bin – ich habe mich nicht getraut, mich zu outen, ich weiß wer er ist – auch mein Neffe jemand den ich noch nie gesehen habe – das war unser erstes Aufeinandertreffen und wieder einmal habe ich nichts gesagt. So viel Macht ist noch in der Hand dieser Person – das will ich nicht und das muss ich dringend klären – mit Gott.

Mit meinem Versagen kann ich zu Gott gehen und es IHM abgeben – aber ich will auf der andere Seite keinen billigen Ausgang – obwohl Gott gnädig ist – sich wünscht, dass ich zu IHM komme und ER will mit mir gemeinsam durch dieses Tal gehen und das möchte ich an der Hand Gottes durch dieses dunkle Tal gehen. Mein Neffe ist zu früh gestorben – nicht nur weil er so jung war und eine junge Familie hinterlässt – sondern zu früh, weil ich bis zu seiner Beerdigung bzw. eigentlich bis heute nicht begriffen habe, wie viel Macht diese Geschichte noch hat und nicht nur diese Geschichte, es gibt da noch eine andere – ich möchte das mit Gott klären, ich werde mit Ihm reden (beten) und Antworten (in der Bibel) suchen – ich möchte keine billige Ausrede und ich will diese Zeit nicht vergessen – denn sie soll Antrieb werden, dass mir das nicht mehr passiert – ich will diese alten Geschichten so abschließen, dass ich aufrichtig gehen kann, dass ich vielleicht dem anderen Neffen offen gegenüber treten kann – dass ich der Mutter meines verstorbenen Neffen eine Hilfe sein kann und ihr vielleicht Trost und Hoffnung bringen kann – aber dafür benötige ich erstmal Hoffnung – man kann nicht weitergeben, was man selber nicht hat – also muss ich mir erstmal was von “oben“ holen.

Also wenn Du etwas tun möchtest, um mir zu helfen – dann bete mit mir – “heilige Kommentare“ helfen nicht – ich muss da selber was finden – sonst werde ich es wieder als heilige Ausrede nehmen – ich will das GOTT zu mir spricht – nicht durch Menschen, die wissen wie es mir geht – sondern direkt Herz zu Herz das wünsche ich mir.

Über maripoet

I follow the carpenter und lächle, wenn was schief geht - schließlich ist es ja schon passiert und nicht mehr zu ändern ... Es gibt so vieles bemerkenswertes, das wirklich Wert ist bemerkt zu werden und so schreibe ich mir von der Seele was auf ihr liegt, so wird sie leichter und ihr habt was zum grinsen oder denken - an sehr guten Tagen beides :-)
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4 Antworten zu Zu früh

  1. Königstochter schreibt:

    Hallo maripoet!
    Ich bete gerne für dich und mit dir und wünsche dir die Weisheit und Kraft von oben!
    Viele Grüße
    Christine

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